Grüne Dreizehn
- 25. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Brantner green solutions hat die größte E-Flotte der heimischen Entsorgungswirtschaft.
Auf dem Gelände der neuen Brantner-Werkstätte in Gedersdorf (Bezirk Krems) wurden einem gemischten Publikum aus interessierten Branchen- und Pressevertretern jene neuen Schwerfahrzeuge präsentiert, mit denen das Unternehmen künftig zur Dekarbonisierung der Abfallwirtschaft beitragen wird. Es handelt sich dabei um die größte Flotte von E-Lastwagen in der österreichischen Abfallwirtschaft. Auf kurzen Probefahrten konnte man sich einen Eindruck von den angenehmen, ruhigen Fahreigenschaften verschaffen.

Die offensichtlichsten Argumente rund um Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind schnell erzählt, stoßen jedoch angesichts unklarer Ladeinfrastruktur und durchaus anfechtbarer Abbaumethoden bei den Batterierohstoffen schneller an ihre Grenzen als noch vor einigen Monaten. Immer deutlicher kristallisiert sich die Notwendigkeit heraus, das Thema Energiewende in all seinen Aspekten – gerade auch bezüglich der Wertstoffkreisläufe – zu durchdenken und solche Projekte entsprechend umfassend zu planen. Anders gesagt: Es wäre nicht damit getan, einfach die Fahrzeuge auf den Betriebshof zu stellen. Es würde nicht einmal reichen, dazu auch noch ein paar Ladestellen zu montieren. Wenn der Umstieg auf Elektromobilität gelingen soll, bedarf es umfassender Planungen, bei denen das Gesamtsystem umgestellt wird, nicht nur einzelne Komponenten. An diesem Erfordernis, die Sache im Ganzen zu konzipieren, hängt tatsächlich der Erfolg der Mobilitätswende – auf allen Skalierungsebenen. Spoiler: Eine Firma, die in der Wertstoffrückgewinnung tätig ist, kennt sich auf diesem Gebiet gut aus.
Planung mit Blick aufs Ganze
Deshalb wird dieses Projekt eigentlich erst jenseits der blitzsauberen, weiß-grün auf die eigene Umweltfreundlichkeit hinweisenden Fahrzeuge so richtig interessant, auch wenn es zu der eActros-Reihe von Mercedes-Benz Trucks Austria in technischer Hinsicht viel Gutes zu schreiben gäbe – erwähnt sei hier nur das variantenreiche Angebot, das eine genaue Abstimmung auf die konkreten Einsatzzwecke ermöglicht. Beispielsweise bekommt man mehr Nutzlast mit weniger Reichweite und umgekehrt. Wer also gut abschätzen kann, wofür das Fahrzeug gedacht ist, kommt mit diesem System ziemlich dicht an die bestmögliche Konfiguration heran, und schon mit dieser Konzeptionsarbeit beginnt die umfassende Planung. Da Brantner von einer Nutzungsdauer von acht bis zehn Jahren ausgeht, ist die gewählte Konfiguration aber auch nicht in Stein gemeißelt. Späteren Anpassungen der Unternehmensausrichtung wird man bei künftigen Beschaffungen Rechnung tragen können. Überhaupt bedarf es sowohl jetzt als auch später einer gewissen Flexibilität, wenn die Fahrzeuge möglichst effizient eingesetzt werden sollen. Nur dann sind sie auch wirtschaftlich.
Besonders interessant ist das Projekt aufgrund seines Formats und seiner Planungstiefe. Denn erstens handelt es sich bei der Brantner-Gruppe um einen führenden Anbieter mit 65 Niederlassungen, der europaweit pro Jahr zwei Millionen Tonnen Müll umschlägt, also um eine Firma, die durchaus große Schritte machen kann und dabei zu der beschriebenen Planungsleistung fähig ist. Zweitens ist die Anschaffung der neuen Fahrzeuge zu einer Zeit, in der dieses Thema durchaus bereits zur Kontroverse geworden ist, eben keine Sache allein fürs Prestige, sondern die konsequente Umsetzung der eigenen Firmenphilosophie. Ganz einfach gesagt: Wer im Abfallbereich die Wiederverwertung anstelle der Müllverbrennung vorantreibt, für den ist die Abkehr vom Verbrenner ganz folgerichtig. Und sie hat erhebliche Konsequenzen.
„Nachhaltigkeit ist unser Antrieb“
Wer sein Unternehmen unter dieses Motto stellt, will sich beim Wort nehmen lassen. Die schrittweise Umstellung der Fahrzeugflotte auf elektrischen Antrieb soll im Transport das verwirklichen, was auch bei den Wertstoffen beabsichtigt ist, nämlich die Schaffung geschlossener Kreisläufe anstelle der Verbrennung nutzbarer Ressourcen. In Biokraftstoffen hat das Unternehmen daher nur einen Zwischenschritt gesehen; die wahre Lösung liegt demnach in der Nutzung von umweltfreundlicher Energie aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. Dies ist mit gewissen Hürden verbunden: Die Fahrzeuge sind nicht nur teurer, sondern auch schwerer, ihre Reichweite ist zu bedenken und auch die Verfügbarkeit der notwendigen Ladeinfrastruktur; nicht zuletzt sollte man auch wissen, woher der Strom kommt. Nur mit diesen Komponenten wird der Einsatz der elektrischen Fahrzeuge praxistauglich. Dann werden Logistik und Müllentsorgung, sofern die Technik einmal da ist, emissionsfrei. Die beiden Sattelzugmaschinen, sechs Müllpresswagen und fünf Kofferfahrzeuge der Marke Mercedes-Benz können dann – und erst dann – ihre Vorteile in der Praxis ausspielen.
Man hat sich für drei Fahrzeuggruppen entschieden, um damit verschiedene Aufgaben übernehmen zu können, beispielsweise auch den Transport von Gefahrstoffen. Flexibilität gibt es also auch hier. Bevor kürzlich der dreizehnte vollelektrische Mercedes-Benz eActros von Pappas Wiener Neudorf an Brantner green solutions ausgeliefert wurde, wurde Konzeptarbeit geleistet: Dank umfassender Routentracking-Daten konnte Brantner in den letzten Monaten jene Strecken identifizieren, auf denen eine Umstellung am effizientesten realisierbar ist, um die Reichweiten von bis zu 550 km bestmöglich auszunutzen. Für die Bereitstellung der nötigen elektrischen Energie wurden Ladebereiche in Krems und in Hagenbrunn eingerichtet, die ausschließlich mit grünem Strom gespeist werden sollen. Weitere solcher Kraftzentren sind in Traiskirchen, Wulkaprodersdorf und Hohenruppersdorf geplant. In jedem dieser Ladebereiche können die Fahrzeuge in höchstens sieben Stunden voll aufgeladen werden. Es geht also nicht um den fraglichen Einsatz auf der Langstrecke, bei der man nicht genau weiß, wo die nächste freie Buchse ist, sondern um vorhersehbare Routen, die sich völlig problemlos bewältigen lassen. Hier kommt der Firma Brantner ihr eigenes Portfolio an gut untersuchten Einsatzradien zugute. Zusätzlich wurden die Dächer mehrerer Brantner-Standorte mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, um einen Teil des benötigten Stroms im Rahmen einer Energiegemeinschaft selbst zu produzieren.
Um was es wirklich geht
Daran ist gut zu erkennen, daß es bei den neuen Fahrzeugen um weit mehr geht als um „ein paar elektrische“. Hier baut ein Großunternehmen seine Energiewirtschaft um, indem es Entscheidungen trifft, die weit in die Zukunft weisen – übrigens auch dann, wenn es mit dem Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur an Autobahnen nicht so kommen sollte, wie man es sich wünscht. Die persönliche Energiewende der Firma Brantner ist einerseits authentisch, weil sie mit den zukunftsfähigen Prinzipien der Wertstoffrückgewinnung harmoniert. Andererseits ist sie auch strategisch klug, weil das Unternehmen damit auf Energieautarkie zielt, durch welche sich die hohen Investitionen dereinst rechnen werden.
Das notwendige Kapital für den Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie für die Anschaffung der Photovoltaik-Anlagen stammt überwiegend aus eigenen Mitteln – wichtige Unterstützung kam aber auch von Politik, Wirtschaft und Forschung: Die Umstellung wurde durch eine gezielte Förderung der Republik Österreich im Rahmen des ENIN-Programms der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ermöglicht. Daher soll der Elektrofuhrpark in den kommenden Jahren um elf weitere Fahrzeuge erweitert werden. Für die Regierungsstellen ist dieses Projekt nicht zuletzt deshalb förderungswürdig, weil damit die praktische Umsetzbarkeit der Mobilitätswende bewiesen werden kann. Das geht aber eben nur, weil die Firma Brantner die dafür erforderliche Größe und Beweglichkeit hat. Ein kleiner Frachtunternehmer, der schon bei zwei ausgefallenen Kollegen ins Grübeln kommt, kann das nicht so ohne weiteres auf die Beine stellen. Über die Branchengrenzen hinaus hat es Beispielwirkung, wenn einer der Großen diesen bedeutenden Schritt unternimmt.




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