Frachtverkehr nach Corona

Was Transporteure jetzt tun sollten



Das Ende der Pandemie kommt 2021. Seit etwa einem Jahr haben viele Wirtschaftszweige viele Lasten zu tragen: Geschäftsbereiche sind weggebrochen, die Regierungsanordnungen haben das Arbeiten und Wirtschaften schwieriger gemacht, etliche Arbeitnehmer kamen in Kurzarbeit. Diese Situation wird nicht ewig so bleiben. Welche Aussichten für die Zeit nach Ende der Krise bestehen und wie man sich darauf am besten vorbereitet, sollte schon jetzt gründlich durchdacht werden. Denn es werden diejenigen Erfolg haben, die sich am besten an die veränderte Lage anpassen.


In der Evolution haben sich nicht unbedingt die Größten oder die Stärksten behauptet, sondern meistens diejenigen, denen es am besten gelungen ist, den Wandel ihrer Umgebung zu antizipieren. Im Güter- und Personenverkehr, der sich ja über seine Mobilität geradezu definiert, sollte sich niemand auf die Starr- oder Sturheit beschränken und dann erwarten, dass alles immer gut weitergeht. Die Welt war schon immer im Wandel. So hat sich das Reiseverhalten der Menschen häufig geändert. Heute ändert sich auch ihr Konsumverhalten: Kann man nicht einkaufen gehen, bestellt man sich die Sachen nach Hause. Schon an diesem einen Beispiel kann man erkennen, dass eine veränderte allgemeine Situation nicht unbedingt für alle ungünstig ist. Sie kann im Gegenteil auch neue Umsatzfelder und Chancen eröffnen.



Veränderungen des Transportwesens


Inzwischen konnten viele der Güter, die nicht mehr per Flugzeug transportiert werden, auf die Straße verlagert werden. Zu einem großen Aufschwung infolge vermeintlicher Nachholeffekte ist es nicht gekommen, vielmehr hat sich die Situation in vielen Bereichen in kleinen Schritten normalisiert. Man sollte nicht aus dem Blick verlieren, dass nicht wenige Firmen in verschiedenen Bereichen aus der Not eine Tugend machen konnten: Auf den Straßen sind heute wieder viele Lastwagen zu sehen, und jeder einzelne von ihnen bedeutet Auslastung, Umsatz und Zukunftssicherung. Hierbei ist auch von Bedeutung, dass die Regierungen an die Wirtschaftstreibenden zwar nicht üppige, aber doch nennenswerte Nothilfen ausgeschüttet haben, so etwa alleine aus dem Härtefallfonds Monat für Monat mindestens 1.000 Euro schon für Mini-Firmen, für zwölf Monate insgesamt 12.000 Euro. Mittelständische Unternehmen, die ihre Angestellten halten, bekommen weitaus mehr.

Das Problem dieser Alimentierung liegt darin, dass sie möglicherweise bequem macht: Mit ihr kann man in die Starre der Passivität rutschen, wo es doch viel wichtiger ist, spätestens jetzt nach neuen Möglichkeiten für die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs zu schauen. Es ist klug, diese Gelder einzustreichen und als Neustarthilfe einzusetzen, beispielsweise für notwendige Investitionen (Stichwort Abbiegeassistenten). Wer sich darauf beschränkt, damit lediglich die Fixkosten vom Leasing oder die Arbeitnehmerbezüge abzufedern, steht hinterher mit leeren Taschen und wenig Perspektive da.



Marktverwerfungen


Hinzu kommt die bereits seit geraumer Zeit einzuplanende Insolvenzwelle, die im Verlauf des Jahres eine ganze Menge Unternehmen schleifen wird, die nach altem Recht eigentlich insolvenzpflichtig wären, deren Verfahren jedoch ausgesetzt wurden. Es ist zwar denkbar, dass diese Firmen unter ein Moratorium gestellt oder mit Hilfsgeldern aufgefangen werden, man sollte sich darauf jedoch besser nicht verlassen. Eine Insolvenz ist prinzipiell nicht nur schlecht, vor allem nimmt sie Teilnehmer aus dem Markt heraus, die für ihre Geschäftspartner ein unerkanntes Risiko darstellen. Diese Bereinigung kommt letztlich den handlungsfähigen Marktakteuren zugute.


Wer selbst unter diese Zwischenlösung fällt, sollte sich alsbald Gedanken darüber machen, ob die Weiterführung des Geschäftsbetriebs unter den neuen Bedingungen, aber mit schlechten Aussichten wirklich eine gute Idee ist, denn die Zeiten sind seit einem Jahr auch für gesunde Unternehmen schwieriger geworden. Transportunternehmen, die sich auf das Ende dieser Krankheitskrise vorbereiten wollen, sollten alle Möglichkeiten prüfen, bestehende Kostenbelastungen so weit wie möglich zu reduzieren. In Kredit- und Leasingverträgen sollte man nach Ausstiegsklauseln und Ausfallversicherungen suchen. Nicht notwendige Investitionen sollten nach Möglichkeit zurückgestellt werden, damit nicht Gelder gebunden werden, die anderweitig besser zu verwenden sind.




Zeit der Neuausrichtung


Notwendige Investitionen hingegen können jetzt gut geplant werden. Man denke auch daran, dass die Kreditzinsen gegenwärtig im Keller sind. Hierbei sollte unbedingt auf langfristige Zinsgarantie gepocht werden. Der absehbare Wirtschaftsaufschwung nach dem Ende der Krise wird unweigerlich zu deutlich höherer Inflation führen. Folglich braucht man, gemessen an der Kaufkraft, weniger zurückzuzahlen, als man sich geliehen hat. Das Problem liegt darin, dass sich die Banken mit der Vergabe von Krediten noch immer eher schwertun.


Und in der Tat profitieren von der gegenwärtigen Situation nur vergleichsweise wenige Branchenakteure, während die Stimmung insgesamt eher verdrießlich ist: Die jüngste Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer (Bereich Transport und Verkehr) ergab, dass die Branchenteilnehmer von einer Erholungszeit von einem bis zwei Jahren ausgehen. 60 % der Befragten gaben an, dass die Pandemie Einfluss auf ihre Investitionspläne hat. Sie haben ihre Investitionen entweder verschoben oder sogar ganz gestrichen. Das zeigt sich übrigens auch in der Entwicklung der Neuzulassungen. Im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge gingen sie um 30 % zurück. Laut WKO berichten 80 % von einem Umsatzrückgang, bei einem Drittel der Befragten lag er in einer Größenordnung von 30 % oder mehr. Ebenfalls ein Drittel geht auch für 2021 von einem Umsatzrückgang aus.



Man kann es schaffen


Das sind alarmierende Zahlen, die nicht schönzureden sind. Und sie führen absehbar in eine stärkere Branchenkonzentration und in den Rückgang der Branchenvielfalt: Nicht alle Unternehmen kommen da durch. Gleichwohl sind auch Chancen zu erkennen, so etwa bei der Zunahme der Straßentransporte aus China, die man relativ leicht akquirieren kann, wenn man sich etwa auf der Vermittlungsplattform Instafreight umsieht. Dort sind bereits 25.000 Firmen mit insgesamt rund 150.000 Lastwagen registriert. Für die Fernverbindung ins Reich der Mitte sind zwei Fahrer nötig, die sich im Schichtbetrieb abwechseln: Jeder fährt neun Stunden lang, unterbrochen von einer Pause, und der Kollege ruht sich aus. Dadurch entfallen Standzeiten, die sich sonst aus der Ruheregelung ergeben.


Auch im geografischen Nahbereich ist jede Menge zu transportieren, so meldet etwa die Österreichische Post einen dynamischen Anstieg des Paketaufkommens. Auch die Konzentration des stationären Einzelhandels auf bestimmte Geschäfte führt zu einem steigenden Bedarf an Lasttransporten zu diesen Standorten. Angesichts des flächendeckenden Hausarrests für die Gesamtbevölkerung stellen sich auch viele Menschen die Frage, wie sie beispielsweise an ein gekauftes Möbelstück gelangen können. Transportvermittler wie Anyvan vermitteln die Lieferung an jene Speditionen, die sich bei ihnen registriert haben. In diesem Bereich gibt es immer wieder etwas zu transportieren.



Es wird besser werden


Schon jetzt gibt es also Möglichkeiten, sich auf dem Markt zu halten. Die Zeit nach der Krise wird bedeutend einfacher sein – anders gesagt: Es kommt wesentlich darauf an, die jetzige Phase durchzustehen, möglicherweise auch im Firmenverbund oder in einer Fusion. Kleine Unternehmen mit schlanker Kostenstruktur und hoher Flexibilität, die es bis jetzt geschafft haben, werden sich nach der Krise gut behaupten können.


Im Bereich des Infektionsschutzes werden sich die Dinge wahrscheinlich überraschend schnell ändern, weil die teilweise unverständlichen Anordnungen der Regierungen auf den immer weiter steigenden Unmut der Bevölkerung stoßen. Es ist wahrscheinlich, dass sich Personengruppen, bei denen es keine oder nur eine geringe Fluktuation gibt, irgendwann wieder relativ normal verhalten können, beispielsweise nach erfolgtem Test oder nach einer Impfung. Lediglich bei Kontakt mit Dritten wird eine erweiterte Vorsicht notwendig sein.



Was ist nun zu tun?


Wichtig für den Neustart: Im Logistikbereich gibt es sehr unterschiedliche Betätigungsfelder, die ganz verschieden auf die Krise reagieren. So ist der Personenverkehr klarerweise sehr stark zurückgegangen, wogegen der Warentransport stabil bleibt oder sogar zunimmt. Es gilt, die wahrscheinlichen Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und sich möglichst gut darauf einzustellen. Beispielsweise können sehr wohl auch Reisebusse behelfsweise für den Gütertransport umfunktioniert werden. Das wurde bereits gemacht – mit Erfolg.


Allerdings wird sich das Reiseverhalten der Menschen wahrscheinlich langfristig ändern. Möglicherweise wird die Mobilität der Gesellschaft deutlich zurückgehen und dabei der Anteil an Fernreisen einbrechen, wogegen kürzere Strecken sowie Urlaub in der eigenen Region an Bedeutung zunehmen werden. Genau diese Reisen können aber viele Menschen mit dem eigenen Fahrzeug oder mit dem öffentlichen Personennahverkehr bewältigen. Welche Rolle Reisebusbetreiber in dieser „neuen Normalität“ spielen werden, ist unklar. Dabei kann man aber durchaus auch einmal über Evakuierungseinsätze und Fahrten zum Arbeitsplatz nachdenken, denn Personentransporte dienen nicht immer nur dem Tourismus. Busse können sich also als wichtig erweisen, auch wenn es momentan eher nicht danach aussieht.



Mit dem Unwahrscheinlichen rechnen


Verschiebungen gibt es auch im Gütertransport. Teilweise sind die Umsätze komplett weggebrochen, so etwa bei denen, die kleine Einzelhändler beliefert haben. Diese Geschäfte sind zu, folglich braucht man dorthin nicht zu transportieren. Das wird sich aber vielleicht sehr schnell ändern. Gleichzeitig werden Rufe nach höheren Beförderungskapazitäten für den Lebensmitteleinzelhandel laut. Im Onlinehandel hat nicht nur die Nachfrage nach Konsumgütern angezogen, sondern auch nach Dingen des täglichen Bedarfs: Lebensmittel, Bücher und Medikamente werden immer mehr über Internetseiten bestellt. Diesen Trend gab es schon vor Corona, durch die aktuellen Entwicklungen wird er beschleunigt.


Unternehmen, die sich auf eine erfolgreiche Zeit nach der Krise einstellen wollen, sollten sich einmal grundlegend mit ihrer Geschäftsstrategie befassen, denn die bisherigen Schwerpunkte werden wahrscheinlich künftig nicht mehr die gleiche Bedeutung haben. Antizipation, Anpassung und Neuausrichtung sind jetzt wichtig. Mit alten, umständlichen Strukturen im Betrieb kann man jetzt aufräumen, zugleich kann man ganz neue Ideen entwickeln. Dazu gehört auch, die bestehenden Beziehungen zu Partnerunternehmen einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil die nach einer Erholung eintretenden Nachfragespitzen nur in gut funktionierenden Kooperationen bewältigt werden können. Die Risiken, dass ein Partnerunternehmen diese Umstellung verschlafen hat, sind enorm. Sie können dazu führen, dass man die sich bietenden neuen Chancen nicht voll ausnutzen kann.



Die Lieferketten sichern


Da im Transportwesen alles Hand in Hand geht, müssen auch die Lieferketten genau überprüft und ggf. verbessert werden. Wo man nicht auf verlässliche Partner zurückgreifen kann, sollte man weitere Transportbereiche in die eigene Obhut übernehmen. Man kann dadurch seinen Kunden mehr bieten, möglicherweise wird dabei auch die Planung vereinfacht, weil man weniger von externen Faktoren und den Zusagen seiner Partner abhängig ist. Wahrscheinlich werden sich auch die Lieferwege verändern und verkürzen: Man sollte damit rechnen, dass in Zukunft wieder mehr in Europa produziert werden wird. Die Wertschöpfungsketten werden kürzer werden, der EU-Binnenmarkt begünstigt das ebenso wie der dringende Bedarf schwacher Volkswirtschaften innerhalb der EU an Arbeit und Produktion.



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Die Globalisierung wird auf das notwendige und sinnvolle Maß zurückgefahren werden. Der Anteil regionaler bzw. europäischer Produktion wird zunehmen. Vergessen wir auch nicht, dass sich die meisten Produkte aus Fernost noch immer über den niedrigen Preis legitimieren und nicht über die hohe Qualität (bestimmte Bereiche der Spitzentechnik ausgenommen).


Wir haben in Europa zwar immense Lohnnebenkosten und Energiepreise, aber nach wie vor Produkte von Weltrang, ein sehr gut ausgebautes Straßennetz und einen steuerfreien Binnenmarkt ohne Währungsrisiken. Darauf wird man sich bald zurückbesinnen. Die Zukunft wird also gewiss mehr regionalen und innereuropäischen Frachtverkehr bringen, auch wenn die Landverbindung mit China an Bedeutung zunehmen wird.


Wichtig für einen guten Neustart ist es außerdem, die Betriebsabläufe zu verschlanken und zu modernisieren und das Personal im Bereich wesentlicher Fertigkeiten auf den neuesten Stand zu bringen. Als vor etwa einem Jahr viele Mitarbeiter zum Arbeiten nach Hause geschickt wurden, war vielerorts die dafür erforderliche Infrastruktur nicht vorhanden, etliche wussten gar nicht, was sie in ihrem „Homeoffice“ eigentlich machen sollten. Eine Einschulung war zu diesem Zeitpunkt aber auch nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Videokonferenzsysteme wurden erst nach und nach entdeckt. Wenn man aus der Krise lernen will, sollte man die durch sie notwendig gewordenen Kenntnisse und Kompetenzen auch in der Zeit nach der Krise wachhalten und verbessern.



Manches ist gar nicht schlecht


Übrigens hat sich dabei auch gezeigt, dass nicht wenige der krisenbedingten Veränderungen auch im Normalzustand gar nicht so verkehrt sind, so etwa eine verträglichere Kombination von Privat- und Berufsleben durch gelegentliche Heimarbeit oder das Abhalten von Videokonferenzen. Hierdurch werden Wege gespart und der Zeit- und Kostenaufwand gesenkt. War in den Jahren vor der Krise der Zwang zu mehr Mobilität aller Mitarbeiter der bestimmende Trend in der Arbeitswelt, so hat sich diese Entwicklung nun umgekehrt und man setzt mehr auf Ortsgebundenheit. Das Internet schafft die besten Möglichkeiten dafür, deshalb sollten Firmen herausfinden, wie sie diese möglichst gewinnbringend für sich nutzen können.


Ein weiterer Bereich der Vorbereitung auf die Zeit nach der Krise betrifft die Investitionen in Lkw-Fahrer, von denen es in der Branche nach wie vor zu wenige gibt. Die ganze Gesellschaft konnte in der Krise aus eigener Anschauung miterleben, welche Berufe systemrelevant sind. Das hat u. a. den Lkw-Fahrern gesteigerte Wertschätzung eingetragen. Auf dieser Welle könnten Frachtunternehmen noch eine ganze Weile weitersurfen. Jetzt ist die Zeit, sich um neue Mitarbeiter zu bemühen. Dieser Beruf ist wertvoll, er sollte auch attraktiv sein. Eine Absprache mit Partnerunternehmen hinsichtlich des gegenseitigen Ausleihens von Fahrern oder auch die Schaffung eines gemeinsamen Mitarbeiterstocks schafft mehr Flexibilität, erhöht die Planungssicherheit und trägt dazu bei, Auslastungsspitzen zu bewältigen.


Nicht zuletzt sind auch Kommunikation und Transparenz wichtig. Veränderungen der Unternehmensausrichtung und Preisanpassungen müssen frühzeitig bekanntgegeben werden.


Seit über einem Jahr hält uns die Corona-Krise fest im Griff. Bei vielen Unternehmen ist die Stimmung im Keller. An dem Spruch, dass es dann nur besser werden kann, ist etwas dran, denn nach und nach wird man lernen, mit dieser Krankheit umzugehen – und bei den letzten großen Krisenthemen war es immer so, dass sich die Stimmung zu einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt schlagartig bessert. Diese Zeit wird schneller kommen, als man denkt. Wer dann richtig vorbereitet ist, wird gestärkt aus der Krise hervorgehen und einer guten Zukunft entgegensehen können.

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