Auf in den Kampf

Der Gladiator von Michele Perrotti Keine Frage: Auch wenn es momentan ungewohnt ruhig zugeht auf unseren Straßen, sollte man kriegerisches Vokabular möglichst vermeiden, wenn man die Situation auf den Highways des Landes beschreibt. Das gilt selbstverständlich auch für Italien – doch wenn ein Transportunternehmer einem seiner Trucks ein martialisches Aussehen verpasst, ist die Assoziation zum Straßenkampf einfach zu verführerisch. Und durchaus gewollt, wie Michele Perrotti bereitwillig zugibt. Aber gemeint ist das nicht im martialischen Sinne von Jeder gegen Jeden. Vielmehr betreibt der süditalienische Unternehmer sein Geschäft zwar mit großer Leidenschaft, sagt aber auch: „Das Leben auf der Straße ist ein Kampf.“ Um faire Preise, um Parkplätze, um das Einhalten von Lenk- und Ruhezeiten angesichts vieler Staus und ja, manchmal ist es auch ein Kampf mit rücksichtslosen Kollegen. Und deswegen gibt es jetzt in der Flotte von Michele Perrotti einen „Gladiator“ – einen Truck, der an die Helden der Römerzeit erinnert, die im Kolosseum gegeneinander kämpften und damit gewöhnliches Volk ebenso wie die Adligen und den Kaiser unterhielten. Michele Perrotti kommt aus der Kleinstadt Lucera, die eine alte Burg hat, die gerade renoviert wird, und eine schöne, typisch italienische Altstadt mit engen, verwinkelten Gassen und Geschäften, die dort seit Generationen zu sein scheinen. Stadt und Landschaft wirken irgendwie unentschieden: Zwar gibt es auch hier wie überall im Süden verlassene Industrieareale und Bauernhöfe, die zwischen Feldern stehen, allmählich verfallen und ihrem Schicksal überlassen werden. Aber auf der anderen Seite wirkt Lucera, nordöstlich von Foggia in Richtung Neapel gelegen, auch quicklebendig mit vielen Firmen, die sich außerhalb des Stadtkerns angesiedelt haben. Wobei das der Eindruck bei einem Besuch vor der großen Corona-Krise war – wie es den Menschen und den Firmen hinterher gehen wird, muss sich erst noch zeigen. Michele Perrotti jedenfalls besitzt ein mittelständisches Transportunternehmen mit 15 Trucks. Er selbst hat es 2008 gegründet, es ist ein typischer Familienbetrieb, in dem auch die Frau und sein Sohn mitarbeiten. Michele sitzt „ noch jeden Tag“ hinter dem Steuer: „Ja, jeden Tag! Es ist meine Arbeit und ich liebe es!“ Seine Gattin managt derweil das Büro, der Sohn arbeitet als Fahrer und Mechaniker. Neben den Familienmitgliedern sind noch 12 weitere Fahrer im Unternehmen beschäftigt. Ende vergangenen Jahres beschaffte er sich auf einen Schlag acht neue Iveco S-Way. Ein Grund dafür sei der gute Service gewesen, ein anderer die schnelle Verfügbarkeit von Ersatzteilen für Reparaturen oder Wartungsarbeiten. Außerdem sind die Fahrzeuge mit zahlreichen Extras ausgestattet und so auch ein Leckerbissen für die Fahrer, die hinter dem Lenkrad der Neuen Platz nehmen dürfen. Die Wohlfühl-Liste beginnt mit der üppigen Motorisierung (Cursor 13 Motoren mit 570 PS) und setzt sich mit Connectivity-Boy, Hi-Cruise-Ausstattung, Alufelgen und zahlreichen Assistenzsystemen fort. Fahrermangel ist auch in Italien ein Problem: „Aber weil wir so moderne und besondere Fahrzeuge haben, finden wir immer Personal und haben kein Problem damit. Hätten wir ,normale‘ Lastwagen, wäre das sicher anders,“ erklärt Perrotti. Die Trucks kamen im Dezember, einen davon ließ er danach zum Gladiator umrüsten. „Das Erscheinungsbild des S-Way sollte schon an die kämpferische Tradition der Gladiatoren erinnern,“ sagt Perrotti, der den Sattelzug mit einer Folienbeklebung und zahlreichen Chrom- bzw. Edelstahlanbauteilen aufhübschte. Die Accessoires kommen von Acitoinox, einer süditalienischen Firma, die sich auf Anbauteile wie Lampenbügel, Bumper, akzentuierende Chrom-Elemente, Einstiege oder Auspuff-Endstücke spezialisiert hat. Der neue Windabweiser am unteren Ende der Frontscheibe hat eine praktische und eine ästhetische Funktion: Er soll die Scheibenwischer schützen und erinnert speziell am Gladiator natürlich an die untere Partie – den Kinnschutz – der Metall-Helme, die von den Gladiatoren bei ihren Kämpfen getragen wurden. Einen Teil der glänzenden Extras fertigte Acitoinox exklusiv für den neuen Showtruck von Perrotti. Der Auflieger kommt vom italienischen Tank- und Aufliegerhersteller TMT. Nach Angaben des Unternehmens ist der Trailer ebenfalls ein neues Konzept. Der Dreiachser ist mit Schubboden (Keithwalkingfloor S-Drive), Aluminiumaufbau (Seitenwände und Türen) sowie Planendach in Leichtbauweise hergestellt. Perrotti fährt damit hauptsächlich Bio-Getreide zu Mühlen und Futterfabriken. Auch ein Tankzug läuft in der Flotte, dieses Fahrzeug wird ebenfalls für Lebensmitteltransporte eingesetzt. Die Fahrzeuge des Unternehmers sind üblicherweise nur im Inland unterwegs und transportieren das Getreide hauptsächlich auf Relationen aus der Region Bari nach Venedig, Perugia und Piazenza. Erstaunlich, wenn man nur die üblichen Schlagzeilen über den unterentwickelten Süden Italiens kennt: Perrotti hat in beide Richtungen – also von Süden nach Norden und zurück – Ladungen. „Wir fahren keine Leertouren,“ betont der Unternehmer. Die durchschnittliche Laufleistung der Trucks liegt bei jährlich 150.000 km. Wann Michele Perrotti mit seinem Gladiator sozusagen auf den Laufsteg gehen kann, steht derzeit natürlich in den Sternen. Er fährt mit seinen Beauties regelmäßig auf Truckertreffen und hat von den Wettbewerben um das jeweils schönste Fahrzeug schon zahlreiche Pokale mit zurück nach Lucera gebracht, die jetzt in einem Vitrinenschrank in seinem Büro stehen. Mit dem Gladiator will Perrotti unbedingt wieder nach Assen – das dortige Festival hat er in guter Erinnerung. Und natürlich das Heimspiel beim Truckrennen in Misano. Aber ob das in diesem Jahr möglich sein wird, steht momentan in den Sternen. Nur eines ist sicher: Die Transportunternehmen werden kämpfen müssen, wie die Gladiatoren, wenn sie – hoffentlich schon bald – vor der schwierigen Aufgabe stehen, die dramatischen Folgen der Corona-Krise zu überwinden. Dabei hat es der Fuhrunternehmer aus Lucera noch einigermaßen gut erwischt: „Die Situation ist nicht einfach, aber wir arbeiten regelmäßig, weil wir Getreide transportieren und das ist für die Versorgung der Nation eminent wichtig. Wir haben unseren Fahrern erklärt, wie sie sicher arbeiten können und müssen. Außerdem haben wir sie mit Schutzkleidung, Schutzmasken und Desinfektionsmitteln ausgestattet,“ erzählt der freundliche Transporteur zweieinhalb Wochen nach unserem Treffen am Telefon. Menschen wie Michele Perrotti und seine Fahrer sind es, die auch in diesen chaotischen Wochen dafür sorgen, dass die Menschen wenigstens das Nötigste zum Leben in ausreichender Menge zur Verfügung haben.


In den Himmel schauen - im neuen Iveco S-Way von Transporteur Michele Perrotti

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