Zwei in einem


Test: VolvoFH-500 Dual Clutch. Das Doppelkupplungsgetriebe verkürzt die Schaltzeit und erhöht den Komfort – was jedoch Gewicht und Aufpreis kostet.

Mit einem Doppelkupplungsgetriebe im schweren Nutzfahrzeugbereich schalten zu können, ist etwas ganz Besonderes, und das kann nur der Volvo mit dem innovativen I-Shift-Getriebe. Was dieses Alleinstellungsmerkmal bringt, soll unser Test zeigen. Das moderne und dynamische Design des Fahrzeuges überrascht uns immer wieder durch das stimmige Zusammenspiel der einzelnen Komponenten zu einem harmonischen Gesamteindruck. Es wurde darauf geachtet, dass zwischen dem unteren und oberen Teil des Fahrerhauses eine optische Verbindung besteht, durch die es viel geschlossener wirkt. Der dynamische Eindruck entsteht sicher auch durch die Linien und Formen, die sich ohne Unterbrechung über das gesamte Fahrerhaus ziehen und zusätzlich nach vorne unten ausgerichtet sind. Sogar die ansteigenden Radkästen der Vorderachse sind den durchgehenden Linien angepasst. Ein weiteres attraktives Detail sind die schlanken Außenspiegel.

Doppelkupplungsgetriebe im schweren Fernverkehr: Volvo FH 500 mit Dual Clutch

Wie andere Hersteller will auch Volvo den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden aerodynamische Optimierungen am Fahrerhaus durchgeführt. Da der Luftwiderstand im Verhältnis zur Geschwindigkeit zunimmt, erhöhen sich bei doppelter Geschwindigkeit die aerodynamischen Kräfte um das Vierfache, wodurch der Kraftstoffverbrauch enorm ansteigt. Um daher die Aerodynamik weiter zu verbessern, hat das Globetrotter XL-Fahrerhaus glatte Oberflächen und abgerundete Ecken an der Vorderseite. Die Windschutzscheibe ist mit der Karosserie verklebt, um dem Fahrtwind keine Angriffsfläche zu bieten. Speziell im Hinblick auf eine optimale Luftverteilung unter dem Fahrzeug und an den Fahrzeugseiten wurde der vordere Stoßfänger neu konstruiert, Schmutzfänger und Spritzklappen wurden aerodynamisch überarbeitet, sodass sie ihre Funktion behalten und gleichzeitig den Luftwiderstand verringern. Um einen besseren Luftstrom zwischen Sattelzugmaschine und Auflieger zu erreichen, wurden die Windabweiser optimiert, auch die Radkästen wurden verändert, um den Luftstrom zwischen Rädern und Kotflügeln zu verbessern.

Die in Funktion unübertroffenen Rückspiegel des FH 500

Wohlfühlfaktor

Das Gobetrotter XL-Fahrerhaus bietet uns einen bequemen Einstieg über drei rutschfeste Aluminiumstufen, die ebenso wie der Boden im Nahbereich des Fahrzeugs beleuchtet sind. Die Stufen stehen ein wenig vor, um ein sicheres Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Der Fahrer findet auf einem vielfach verstellbaren und bequemen Fahrersitz seine ideale Sitzposition. Das Multifunktionslenkrad lässt sich sowohl anheben als auch absenken, näher und weiter stellen und zusätzlich noch kippen, was im Zusammenspiel mit den verstellbaren Sitzen die perfekte Anpassung an jeden Fahrer ermöglicht. Eine zur Windschutzscheibe hin abfallende Instrumententafel gibt dem Fahrer eine bessere Sicht nach vorne frei. Die elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegel sorgen für eine gute Sicht nach hinten und bieten dem Fahrer ein ideales Blickfeld, nicht nur im Spiegel, sondern auch daran vorbei. Ein zusätzliches Fenster im Dach des Fahrerhauses lässt viel Helligkeit ein und dient im Bedarfsfall als Notausstieg. Wir blicken auf ein sehr übersichtlich gestaltetes Armaturenbrett und eine dem Fahrer zugewandte Mittelkonsole. Volvo geht mit dem Design der Armaturenlandschaft seine eigenen Wege, die aber von uns nach einem kurzen Orientierungsmoment als ausgesprochen übersichtlich empfunden werden. Mittig angeordnet und klar ablesbar sind Tachometer und Drehzahlmesser. In einem zusätzlichen Display werden Daten wie Tempomateinstellung und gewählter Gang angezeigt. Zur Linken können wir Pegel- und Kilometerstände ablesen, zur Rechten versorgt uns ein Fahrerinformationsdisplay (DID) mit zusätzlichen Sicherheitsinformationen. Die Armaturenbeleuchtung kann partiell abgedunkelt werden, sodass nur noch die gesetzlich unbedingt vorgeschriebenen Anzeigen leuchten. Bei stehendem Fahrzeug können selbst diese abgedimmt werden. Das weiter rechts angeordnete Mediensystem mit dem neuen 7"-Touchscreen (SID-Bedienfeld) liefert Einstelldaten und Informationen für zusätzliche Fahrzeugfunktionen, wie Telefon, Audio, Dynafleet, Navigation und Driver Times On Board Feedback. Bei der Navigation wird auf TomTom gesetzt. Sogar eine Sprachsteuerung ist ins System integriert. Unser Fahrerhaus ist mit nur einer Liege ausgestattet, wodurch viel Platz für großzügigen Stauraum bleibt. Der Lkw im Fernverkehr ist Arbeitsplatz, Erholungsraum und Schlafzimmer zugleich. Das gelingt hier bestens.

Angenehmer Arbeitsplatz mit fahrerfreundlicher Instrumentenanordnung

Hier geht Volvo eigene Wege.

Motor und Getriebe

Unser Lkw ist mit dem überarbeiteten 12,8 l-Reihensechszylinder Dieselmotor D13 mit einer maximalen Leistung von 500 PS bei 1.400–1.800 U/min und einem maximalen Drehmoment von 2.500 Nm bei 1.000–1.400 U/min ausgestattet. Es werden eine Common Rail-Kraftstoffeinspritzung, ein neuer optimierter Turbolader, neue Kolben und Kurbelwellendichtungen mit geringerer Reibung sowie eine aktualisierte Software und Motorsteuerung eingesetzt. Um die EU-Abgasnorm Euro 6 zu erfüllen, hat der Hersteller ein Abgasnachbehandlungssystem entwickelt, das aus einem Dieseloxidationskatalysator (DOC), einem Dieselpartikelfilter (DPF), einem SCR-Katalysator und einem Ammoniak-Sperrkatalysator (ASC) besteht, die alle im gleichen Schalldämpfer untergebracht sind. Zusätzlich konnte das Motorengewicht noch reduziert werden.

Auf unserer Testrunde überzeugte uns der Motor mit seiner Leistung und seinem Drehmoment, das uns in einem breiten Drehzahlbereich zur Verfügung stand. Er hielt sich mit seiner Laufruhe und seinen geringen Vibrationen vornehm im Hintergrund. Gerade auf den anspruchsvollen Steigungen des Semmering-Passes schaffen wir mit voller Ausladung respektable 50 km/h, was sicher am leistungsstarken Motor, aber auch am innovativen Doppelkupplungsgetriebe liegt.

Unser D13-Motor ist mit dem leistungsfähigen Volvo Motorbremssystem VEB+ (Volvo Engine Brake) mit einer Bremsleistung von 375 kW bei 2.300 U/min ausgestattet. Zusätzlich zu diesem Motorbremssystem ist unser Test-Lkw mit einem Retarder mit einer zusätzlichen Bremsleistung von 450 kW versehen. Diese beiden verschleißfreien Bremssysteme besitzen somit eine Gesamtbremsleistung von bis zu 825 kW. Beim Befahren der teilweise doch steilen Gefällestrecken müssen wir die mit Scheibenbremsen ausgerüstete Betriebsbremse nicht zusätzlich in Anspruch nehmen.

Das besondere Highlight des Volvo FH-500 I-Shift Dual Clutch ist, wie schon der Name verspricht, das I-Shift-Doppelkupplungsgetriebe. Bedient wird dieses Getriebe mittels eines Wählhebels, der rechts in den Fahrersitz integriert ist. Auf Wunsch des Kunden kann die Steuerung des Getriebes aber auch durch Tasten am Armaturenbrett erfolgen. Dieses Getriebe (SPO2812) ermöglicht es mit seiner einzigartigen Technik, Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung zu tätigen. Dadurch bleibt das Motordrehmoment stabil und der Fahrkomfort verbessert sich deutlich. Die breite Spreizung des Getriebes sorgt für hohe Anfahrzugkraft und niedrigen Kraftstoffverbrauch. Auf den Steigungen unserer Testfahrt spielt das Getriebe seine Vorteile merkbar aus. Die Gangwechsel sind so gut wie nicht zu spüren. Nur der Drehzahlmesser und das leise Motorgeräusch gab Auskunft über die Aktivitäten des Getriebes. Noch schneller und geschmeidiger kann kein Gangwechsel stattfinden. Wir setzen dabei die Gangwechselstrategie Economy ein, die für gute Verbrauchswerte sorgt. Der Performance-Modus, der für zusätzlichen Vortrieb benötigt wird, wurde von uns auf unserer Testfahrt nicht verwendet. Die Wartungskosten des Getriebes werden durch lange Ölwechselintervalle (450.000 km oder jedes dritte Jahr) niedrig gehalten.

Einzelradaufhängung vorne

Das Fahrwerk des Volvo FH-500 zeichnet sich auf unserer Fahrt auch auf schlechten Straßen durch hohen Fahrkomfort und sehr gute Kursstabilität aus. Die schlechte Fahrbahn auf der Abfahrt vom Semmering-Pass wird von der optionalen Einzelradaufhängung sehr gut kompensiert. Bei dieser sind die Vorderräder einzeln luftgefedert und unabhängig voneinander über Querlenker und Reaktionsstreben gefedert. Die dazugehörige Zahnstangenlenkung arbeitet präzise und direkt und sorgt für die perfekte Kontrolle, was wiederum Stressfreiheit für den Fahrer bedeutet und dadurch die Sicherheit erhöht. Diese Einzelradaufhängung wurde primär für den Einsatz im Fernverkehr auf guten Straßen entwickelt.

Assistenzsysteme

Fast schon selbstverständlich ist die Ausstattung des Trucks mit I-See, dem topografiegesteuerten Tempomat, sowie dem Freilaufsystem I-Roll, das die kinetische Energie zum kraftstoffsparenden Rollen nützt.

Fahrt ohne Zugkraftunterbrechung

Alle Sicherheitsextras nach heutigem Standard sind auch in unserem Testfahrzeug vorhanden. Dazu gehören das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, Adaptive Cruise Control ACC mit Kollisionswarnung und Notbremsfunktion und ein Spurhalteassistent, der mithilfe eines Warntons das Abkommen von der Fahrspur verhindert. Eine Spurwechselunterstützung überprüft den toten Winkel auf der Beifahrerseite und ein Fahrerwarnsystem überwacht eventuelle Übermüdungserscheinungen des Fahrers.

Unser Fazit

Bei Volvo kommen Motor und Getriebe aus einer Hand, was die Kontrolle über den kompletten Entwicklungs- und Produktionsprozess des gesamten Antriebsstrangs ermöglicht. Unsere Testfahrt hat gezeigt, dass Volvo mit diesem Prinzip völlig richtig liegt. Beim FH-500 beweist die Kombination von guten Fahreigenschaften mit Kraftstoffeffizienz die ganze Kompetenz von Volvo.


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