Ohne Trara zum Punkt


DAF ist eher der schlichte Präsentierer neuer Fahrzeuge. Doch was kommt, trifft auf großes Käuferpublikum. Keine Extravaganzen, dafür täglich Brauchbares mit Spareffekt.

DAF erneuert die schwere (XF) und die mittelschwere(CF) Baureihe. Vor allem ein optimierter Triebstrang inklusive ZF Traxon und eine deutlich verbesserte Aerodynamik sollen die von DAF-Chef Preston Feight versprochene Kraftstoffeinsparung von bis zu 7 % bewirken. Das großartige Versprechen hängt logischerweise an einigen Bedingungen, wie Einsatzart, Konfiguration und Fahrstil. Der selbstbewusste DAF-Präsident und Technikexperte Raoul Wijnands konnten die Herkunft der 7%igen Treibstoffreduktion nachvollziehbar dokumentieren. So ist ein wichtiger Beitrag dazu auch die Nutzung der Restwärme: DAF nutzt die Zeit des Fahrers an der Ladestelle, um die starke Hitze aus dem Motorraum von der vorherigen Fahrt dem Heizsystem zur Verfügung zu stellen. Macht ein Prozent Gewinn.

Die neue mittelschwere Baureihe DAF CF ist ebenso wie der XF mit Exclusive-Sonderausstattung erhältlich.

Schönes Outfit

Das bisherige Orange der Lkw ist nur noch in dezenten Streifen vorhanden. Die Farbe der Demo-Fahrzeuge ist jedenfalls Bestätigung guten Geschmacks. Auf den ersten Blick scheint die neue DAF-Generation gleich geblieben zu sein, aber auf den zweiten Blick erkennen wir doch einiges an Detailarbeit, wie zB die neue aerodynamische Sonnenblende. Zu den weiteren aerodynamischen Verbesserungen zählt eine Kühlergrillabschottung beim XF für Fahrzeuge mit einer Leistung bis 480 PS und Luftleitelemente, die den Luftstrom so effizient wie möglich direkt durch den Kühler leiten sollen. Zusätzlich wurden beim Kabinenübergang vom unteren zum oberen Teil links und rechts neue Abdeckungen angebracht, so dass die Luft aerodynamisch um das Fahrzeug geleitet wird. Neue Radlaufverlängerungen sollen den Luftstrom ebenfalls beruhigen. Ein neues DAF-Logo mit Chromrändern und Aluminiumoptik an der Front, ein Kühlergrill im Netzdesign, ein neues Design-Element im Stoßfänger in Aluminium-Optik und ein DAF-Markenemblem im Einstieg heißen den Fahrer willkommen.

Neue Motorengeneration

Die neuen MX-11-Motoren besitzen nun um 10 kW und die MX-13-Motoren um 20 kW mehr Leistung als ihre Vorgänger. Aber noch wichtiger ist, dass das Drehmoment angestiegen ist und auch um 100 Umdrehungen früher bereitgestellt wird. Dieses erhöhte Drehmoment bei niedriger Drehzahl ist besonders wichtig für die Zielsetzung des „Downspeedings“. Bisher drehte der Truck bei 85 km/h mit einer Motordrehzahl von 1.180 U/min. Der neue DAF dreht nun bei der gleichen Geschwindigkeit mit zirka 1.000 U/min. Die Idee von DAF ist es, dass mit den geringeren Umdrehungen des Motors auch weniger Verluste entstehen und dadurch die Effizienz erhöht wird. Um bei solch niedrigen Drehzahlen die Fahrbarkeit und Elastizität zu erhalten, ist natürlich das erwähnte höhere Drehmoment vonnöten. Da wir die wenigsten Verluste im höchsten Gang im Getriebe haben, wird das Drehmoment in dieser Gangstufe noch um weitere 5 % erhöht (Multi-Torque), sodass der höchste Gang so lange wie möglich gehalten werden kann. Auch im Eco-Mode ist nun keine Drehmomentreduzierung mehr vorgesehen. Die neuen Motoren arbeiten nun häufig bei Drehzahlen zwischen 900 U/min und 1.000 U/min, was eine Anpassung und Verbesserung der Motoren notwendig macht. Die Kompression wurde erhöht, Kolben geändert und die Einspritzdüsen in einem anderen Winkel verbaut. Der Kompressor wurde mit mehr Hub ausgestattet, da er ja nun bei niedrigerer Drehzahl arbeiten muss. Beim MX-13-Motor wird nun ein kleinerer, aber hoch effizienter Turbolader verwendet, der für niedrige Drehzahlen ausgelegt ist. Die neue Nockenwelle ist leichter und dabei sogar noch steifer geworden. Durch die niedrigen Drehzahlen, in denen der Motor arbeitet, war es auch notwendig, das Ölmodul (Ölpumpe) zu überarbeiten damit es mit den niedrigeren Ölflüssen auch zurechtkommen kann. Um die Ölstandzeiten weiter zu verlängern, mussten auch die Aufheizung und die Kühlung des Öls optimiert werden. Die Lenkpumpe und die hocheffiziente Ölpumpe sind nun mit einem variablen Hub ausgestattet, wobei bei hoher Drehzahl der Hub dieser Pumpen immer kleiner wird. Damit die neue variable Wasserpumpe immer die Wassermenge pumpt, die gerade für die Kühlung benötigt wird, wird sie über eine elektronisch geregelte Viskokupplung gesteuert. Die niedrige Drehzahl und eine neue Steuerelektronik des Klimakompressors ermöglichen eine Energieeinsparung in diesem Bereich von bis zu 50 %.

Der innovative Antriebsstrang gewährleistet optimale Interaktion zwischen Motor, Nachbehandlungssystem, Getriebe und Hinterachsen.

Die Leistung der Motorbremse legte beim MX-11- und beim MX-13-Motor nochmals an Leistung zu. Beim MX-11 leistet sie nun 463 PS – also um 20 % mehr – und beim MX-13 490 PS, also um 30 % mehr als beim Vorgängermodell. Das Abgasnachbehandlungssystem konnte an Größe und Gewicht reduziert werden. Es braucht 40 % Volumen, ist um 50 kg leichter und kommt schneller auf Betriebstemperatur, was den Motor rasch im höchst effizienten Betriebszustand laufen lässt.

Neue Hinterachsen

Die neuen Hinterachsen sind natürlich für das Downspeeding notwendig. Es stehen neue, schnellere Achsübersetzungen von 2.05 (Low Deck Fahrzeuge) bis 2.47 (Schwersteinsätze) zur Verfügung. Die Differenziale werden auf einer neu erbauten Produktionsstraße hergestellt und waren eine der größten Investitionen bei diesem Projekt.

Traxon Getriebe

DAF setzt in seiner neusten Generation seiner Baureihen XF und CF serienmäßig das automatische Getriebesystem TraXon von ZF ein. Das Getriebe ist mit 12 oder optional mit 16 Gängen (DD und OD) verfügbar. Eine breitere Gangspreizung soll ein verbessertes Fahrverhalten bei geringen Geschwindigkeiten und beim Manövrieren ermöglichen. Kriechen ist bis in den fünften Gang möglich und das Getriebe hat nun vier Rückwärtsgänge (statt zwei), die schnelleres Zurücksetzen ermöglichen. Die Techniker von ZF haben die Akustik optimiert und das neue Getriebe um bis zu 6 dB(A) leiser als das Vorgängermodell AS Tronic gemacht. Ferner ist das Getriebesystem auch in der Lage, sich nun den variablen Drehmomentstärken der PACCAR MX-Motoren anzupassen.

Unsere Testfahrt

Nach diesen vielen technischen Details haben wir die Möglichkeit genutzt, mit der neuen Generation des XF zu fahren. Wir wählten einen XF 450 FT Low Deck (4x2) mit dem Super Space Cab-Fahrerhaus. Das Fahrzeug ist mit dem MX-11-Motor mit 10,8 l Hubraum ausgestattet. Dieser Motor leistet 449 PS bei 1.600 U/min und bringt ein maximales Drehmoment von 2.300 Nm bei 900–1.125 U/min (2.200 Nm bei 900–1.405 U/min Multi-Torque) auf die Fahrbahn.

Unser Testfahrzeug: der neue DAF XF 450 FT Low Deck 4x2

Auch wenn die Grundkonzeption des robusten Armaturenträgers gleich geblieben ist, sind einige Neuerungen eingeflossen. Die Instrumente zeigen sich im neuen Design. Eine überarbeitete Typografie verleiht den Anzeigen eine sehr gute Ablesbarkeit. Für optimale Benutzerfreundlichkeit sind nun auf der rechten Seite des Multifunktionslenkrades die Geschwindigkeitsfunktionen für Cruise Control, Adaptive Cruise Control, Predictive Cruise Control und die Geschwindigkeitsregelung für Bergabfahrten angeordnet. Die Position der einzelnen Schalter kann der Fahrer jetzt dank der ausgeklügelten Elektronik bedarfsgerecht anpassen. Die dimmbare Innenbeleuchtung kann mit einem neu entwickelten und sehr praktischen Drehschalter in der Mitte des Armaturenbretts geregelt werden. Nach dem Start des Motors rollen wir langsam zur Ausfahrt des Parkplatzes und begeben uns auf die Testrunde. Bereits auf den kleinen Nebenstraßen merken wir deutlich, mit welch niedrigen Drehzahlen wir unterwegs sind. Beim Anfahren fällt der Drehzahlmesser auch schon mal unter 900 U/min, was für uns doch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Aber es funktioniert bestens und hat zudem den Vorteil, dass das Geräuschniveau im Fahrzeug besonders niedrig und der Komfort für den Fahrer dadurch entsprechend hoch ist. Sollte der Fahrer dann doch einmal flotter beschleunigen wollen, muss er nur den Eco-Mode ausschalten, um höhere Drehzahlen abrufen zu können. Nachdem der Fahrer dann den Truck wieder gleichmäßig fährt, schaltet sich der Eco-Mode nach zirka 50 s erneut automatisch zu. Die Schaltvorgänge des automatisierten TraXon-Getriebes werden sehr schnell und geschmeidig durchgeführt. Auf den Autobahnetappen rollen wir entspannt mit 85 km/h und knapp 1.000 U/min unserem Ziel entgegen. Deutlich ist auch die Weiterentwicklung von Eco-Roll und Predictive Cruise Control (PCC) zu spüren. Wurde früher kurz vor dem Kamm eines Hangs nur Gas zurückgenommen, wird nun das Getriebe in „neutral“ gesetzt, sobald Masse und Geschwindigkeit ausreichen, um die Kombination mithilfe der kinetischen Energie über den Hang zu schieben. Hierdurch werden die Rollphasen des Lkws enorm vergrößert, sodass sich der Anteil von Eco-Roll sogar verdoppeln kann. Um maximale Betriebszeiten zu gewährleisten, wurden die Wartungsintervalle von 150.000 auf 200.000 km ausgeweitet. Der Partikelfilter hat ein langes Reinigungsintervall von bis zu 500.000 km.

Unser Fazit

Insgesamt hat DAF seine CF- und XF-Baureihen im Design und in der Aerodynamik sehr behutsam weiterentwickelt, die wirklichen Veränderungen liegen im Verborgenen. Das Versprechen des Herstellers, eine Steigerung der Kraftstoffeffizienz von bis zu 7 % im Fernlastverkehr zu erreichen, ist eine starke Ansage. Wir freuen uns darauf, möglichst bald ein solches Testfahrzeug über unsere eigene Testrunde in Österreich bewegen zu können.


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