Land am Strom


Christian Kern propagiert die Steckdose. Kanzler und Verkehrsminister besiegeln die eTruck-Produktion von MAN in Steyr. Namhafte Unternehmen betreiben ihre Verteilerflotten nun mit Strom. Zunächst im Praxistest.

Bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Entwicklungspartnerschaft mit dem Council für nachhaltige Logistik (CNL) führte MAN am 20. Februar in Steyr die Elektro-Studie einer Sattelzugmaschine für den städtischen Verteilerverkehr vor. Im Zuge der Partnerschaft mit CNL, einem Zusammenschluss aus 15 der größten österreichischen Unternehmen aus den Bereichen Handel, Logistikdienstleister und Produktion, wird MAN ab Ende 2017 neun CNL-Mitgliedern Erprobungsfahrzeuge für Tests im Praxiseinsatz zur Verfügung stellen. Mit der Vereinbarung der Entwicklungspartnerschaft geben MAN und CNL den Startschuss für die Einführung des Elektroantriebs im mittleren und schweren Verteilerverkehr von 12 bis 26 t zulässigem Gesamtgewicht. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen den CNL-Mitgliedsfirmen und MAN Truck & Bus fand am Produktionsstandort von MAN in Steyr statt, an dem der Münchner Hersteller seine Verteilerverkehrsbaureihen MAN TGL und MAN TGM fertigt. Ab Ende 2018 ist der Fertigungsstart von Elektroversionen der MAN TGM-Baureihe geplant. „Zusammen mit dem hier ansässigen Truck Modification Center ist der Standort Steyr dafür prädestiniert, unsere ersten Elektro-Lkw auf den Weg zu bringen. Die CNL-Unternehmen werden diese Fahrzeuge im täglichen Einsatz testen“, unterstreicht Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands von MAN Truck & Bus, die Bedeutung des MAN-Werks Steyr für die Entwicklungspartnerschaft mit CNL. Verankert ist das Council für nachhaltige Logistik (CNL) am Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU).

Diesen MAN eTruck – bereits auf der IAA 2016 unter großem Echo vorgestellt – setzen die CNL-Mitgliedsfirmen nun im Testbetrieb ein.

„CO2-freie Stadtlogistik ist ein wesentlicher Schritt, um die Luftverschmutzung der Städte und den Klimawandel zu bekämpfen“, sagt BOKU-Vizerektor Josef Glößl. „Wir sind froh, dass wir auf der Universität für Bodenkultur Wien einen ersten Meilenstein in diese Richtung setzen können: Mit dem CNL und MAN haben sich hier kompetente Partner zusammengefunden, um die Zukunft des Lebens in der Stadt positiv zu gestalten.“

„Die Partnerschaft mit CNL bietet MAN die ideale Möglichkeit, diese neue Technologie mit den Praxiserfahrungen der Mitglieder des Konsortiums zur Serienreife weiterzuentwickeln und unser neues Produktportfolio an den Kundenanforderungen auszurichten“, ergänzt Dr. Carsten Intra, im Vorstand von MAN verantwortlich für Forschung und Entwicklung sowie für Produktion und Logistik. Geplant sind MAN TGM 6x2 Fahrgestelle mit Kühlkoffern, Wechselbehältern und Getränkeaufbauten. Zum Erprobungsumfang gehört aber auch eine Sattelzugkombination.

„MAN verfolgt eine klare Roadmap in puncto Elektromobilität – und zwar für Lkw und Busse. Den ersten eTruck präsentieren wir Ihnen heute hier, und Ende des Jahres sehen Sie ihn auf der Straße. Ende 2019 bringen wir einen vollelektrischen Stadtbus in Serie und Anfang 2021 kommt dann der Serien-eTruck. Dabei nutzen wir einen modularen Baukasten von Antriebskomponenten, den wir flexibel für verschiedene Anwendungen einsetzen können“, erläutert Joachim Drees den langfristigen Ansatz von MAN beim Elektroantrieb.

MAN und CNL bringen eTrucks auf die Straße: CNL-Mitgliedsunternehmen erproben ab Ende 2017 elektrisch angetriebene Lkw im täglichen Praxiseinsatz.

eTruck-Erprobung

Ab November 2017 gehen zunächst Erprobungsfahrzeuge bei den neun CNL-Partnern Gebrüder Weiss, Hofer, Magna Steyr, METRO, Quehenberger, REWE, Schachinger, SPAR und Stiegl in den Kundeneinsatz. „Durch den Einsatz von eTrucks möchten wir für unsere Kunden auch die letzte Meile CO2-neutral gestalten“, erklärt Mag. Wolfram Senger-Weiss, Vorstandsmitglied bei Gebrüder Weiss, zum Erprobungseinsatz.

V. li.: Joachim Drees, Univ.-Prof. Dr. Josef Glößl, Verkehrsminister Jörg Leichtfried, Klimaforscherin Univ.-Prof. Helga Kromp-Kolb, Dr. Günther Helm (Generaldirektor Hofer)

Dr. Günther Helm, Generaldirektor von Hofer, unterstreicht die Bedeutung des Projektes für die CO2-Einsparung: „Klimaschutz ist ein sehr wichtiger Eckpfeiler unserer Nachhaltigkeitsinitiative ‚Projekt 2020‘. So arbeiten wir bereits seit Jahren daran, unsere Energieeffizienz zu steigern und CO2-Emissionen wo immer nur irgendwie möglich einzusparen.“ Auch bei Magna Steyr wird ein Erprobungsfahrzeug, und zwar vor allem in der Teilelogistik, zum Einsatz kommen, wie Gerd Brusius, Executive Vice President Sales & Marketing Magna Steyr, erklärt. Arno Wohlfahrter, CEO von METRO Cash & Carry Österreich GmbH, freut sich auf den besonderen Neuzugang im METRO-Fuhrpark: „Die MAN eMobility-Lösung mit einem nachhaltigen und umweltschonenden Ansatz, der auch bei Nutzfahrzeugen im Alltagsbetrieb eingesetzt werden kann, ist für METRO ein entscheidender Schritt nach vorne.“ Christian Fürstaller, CEO und Eigentümer von Quehenberger Logistics, unterstreicht die Erwartungen an die Erprobungsfahrten in seinem Unternehmen mit Blick auf den innerstädtischen Warenverkehr: „Als Spezialist für die Filialbelieferung in mehreren Handelssortimenten setzen wir darauf, dass sich die E-Mobilität in der City-Logistik durchsetzen wird.“

„Die REWE International AG war 2014 Gründungsmitglied des Council für nachhaltige Logistik. Ein Schwerpunkt dieses Zusammenschlusses ist die Entwicklung von Elektro-Nutzfahrzeugen für den stadtnahen und innerstädtischen Verkehr. Diese Entwicklung gilt es im Sinne der Reduktion von Emissionen gemeinsam zu verstärken“, so Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der REWE International AG. „Zukunftsfähige Logistiklösungen zu entwickeln, ist unser Anspruch bei Schachinger. Aus dieser Motivation heraus waren wir Initiator des Councils für nachhaltige Logistik. Durch diese Zusammenarbeit mit MAN kommen wir dem langfristigen Ziel des CO2-freien Transportes einen großen Schritt näher“, erklärt Max Schachinger. „Die Beteiligung am Council für nachhaltige Logistik und die schnelle Entwicklung von alltagstauglichen Elektro-Lkw sind für SPAR eine Investition in die zukünftige emissionsfreie Lebensmittellogistik“, erläutert SPAR-Vorstandsdirektor Mag. Fritz Poppmeier die Beteiligung von SPAR. „Der E-Lkw wird die Logistik zwischen dem neuen SPAR-Lager Ebergassing und der Bundeshauptstadt unterstützen.“

Dr. Heinrich Dieter Kiener, Eigentümer der Stiegl-Brauerei, betont: „Oberstes Ziel ist es, die Ressourcen zu schonen. Im Bereich der Mobilität setzen wir demzufolge auf alternative Antriebsmethoden. Als CNL-Partner testen wir mit Engagement und einer gewissen Leidenschaft regelmäßig innovative Technologien, wie den elektrisch angetriebenen MAN-Lkw.“


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