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Branchentreff

  • vor 1 Tag
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Heiße Themen bei der Tagung der Wiener Transporteure zum Sommerbeginn.


Vier Männer posieren lächelnd vor einem weißen MAN Rental-Lkw im grünen Park.

Der Frühsommer tauchte Wien in hellen Sonnenschein, und wer hier branchenpassend vielleicht an einen Kühlergrill dachte, stand dennoch in der puren Spätjuniwärme. Besseres Wetter hätte man sich nicht wünschen können für den diesjährigen Branchentreff der Transporteure in der Wiener Wirtschaftskammer, die sich an diesem 19. Juni 2026 in einer besonders passenden Örtlichkeit begegneten. Die Orangerie des Europahauses im 14. Wiener Gemeindebezirk, eingebettet in eine weitläufige, 6 ha große Parkanlage, bot mit ihrem großzügigen Format und kühlem Stuck-Charme genau den richtigen Rahmen für die Veranstaltung.


Fachgruppenobmann Wolfgang Böhm sorgte von Beginn an für eine zwanglose Atmosphäre, indem er Bekannte wie auch Neulinge persönlich begrüßte und sich viel unter den Veranstaltungsteilnehmern aufhielt.


Mann im blauen Anzug spricht lächelnd ins WKO-Mikrofon vor hellem Hintergrund.

Der Vortragsteil unterschied sich von manch anderer Zusammenkunft einer Branchenvertretung dadurch, dass keiner der Referenten sich in trockenen Zahlenwerken oder Tätigkeitsberichten verlor. In der Praxis sah das so aus: Eine gut aufgelegte, aber nicht bemüht spaßige Moderatorin, die auch mit den anfänglichen Tonproblemen souverän umging, führte ab 18.00 Uhr durch den Abend. Zuerst brachte Wolfgang Böhm, begrüßt von kräftigem Applaus und tatsächlich Jubelrufen, einen wirklich kurzweiligen und inhaltsreichen Abriss der aktuellen Situation des wirtschaftlichen Umfeldes. Positiv hier: Es war aufs Wesentliche verdichtet, dabei bildhaft, außerdem kurz. Dass gegen manche politischen Entscheidungsträger ein paar kritische Bemerkungen ausgeteilt wurden, liegt in der Natur der Sache. Böhm berichtete über die Eskapaden des Dieselpreises und über die Protestfahrt zum Ministerium, wo man die Forderungen an der Poststelle abgeben durfte und sogar einen Eingangsstempel bekam. Die Branche hat damit zu kämpfen, dass es in Wien immer schwieriger wird, wirtschaftlich auf einen grünen Zweig zu kommen, was auch mit den anhaltenden bürokratischen Hürden und unklaren politischen Vorgaben zusammenhängt.



Fahrermangel dramatischer


Böhm thematisierte auch den Fahrermangel und berichtete über eine neu eingerichtete Fahrerbörse, die allerdings noch nicht sehr viel Erfolg hat. In diesem internen Rahmen konnte er auch schildern, dass die überwiegende Mehrheit der Bewerber offenbar gar nicht arbeiten will. In Bezug auf den drohenden Fahrermangel im Zuge zahlreicher anstehender Pensionierungen malte er eine düstere Zukunft. Er brachte seine Botschaft mit klaren Kernaussagen auf den Punkt: Wir bringen, was wir alle täglich brauchen, und die Transportbranche möchte arbeiten. Ein kleiner Seitenhieb ging auch an die ASFINAG, indem er erwähnte, dass sich die Branche die Verlagerung von mehr Bauarbeiten in die Nacht und in die Wochenenden wünscht.

Brigitte Müllneritsch von der ASFINAG sprach danach über das Baustellenmanagement im Raum Wien für die Jahre 2026 bis 2032 und wollte mit ihrem Vortrag die Frage beantworten, was die Branche hinsichtlich der Hauptverkehrsadern in den kommenden Jahren erwartet. Sie schilderte verschiedene Projekte aus der Sicht der Bauplaner und gab damit sehr interessante Einblicke in die Planung und Umsetzung dieser Modernisierungen. Natürlich sind Baustellen für alle Verkehrsteilnehmer lästig, sie verstand es gleichwohl, das Publikum dazu zu bringen, die vorgestellten Bauvorhaben zu verstehen, denn letztlich dienen sie einer Verbesserung der Verkehrssituation.


Die aktuelle Notwendigkeit der Großbaustellen ist auf die enorme Verkehrsbelastung und den Sanierungsbedarf der gealterten Infrastruktur zurückzuführen. Sie erklärte dann anhand von Plänen die kommenden Generalerneuerungen auf den wichtigsten Autobahnabschnitten der Bundeshauptstadt. Dabei brachte sie jedoch nicht die Überlegung auf, ob die zeitliche Ballung mancher Projekte durch eine noch engere Abstimmung mit den städtischen Baustellen im untergeordneten Straßennetz hätte entzerrt werden können, um den täglichen Stauwahnsinn für den Schwerverkehr zu dämpfen.



Neues zur S1


Anschließend ging es um den S1-Ausbau, den Thomas Avender, ebenfalls von der ASFINAG, im Detail vorstellte. Unter dem Titel „S1 Quo Vadis – Projektvorstellung, Status und Ausblick“ präsentierte er den lang erwarteten Lückenschluss der Wiener Außenring-Schnellstraße zwischen Schwechat und Süßenbrunn. Hierfür will man nach den jüngsten rechtlichen Weichenstellungen bald die Bagger rollen lassen. Die Schließung des Regionenrings um Wien bedeutet zwar einen enormen finanziellen Aufwand im Milliardenbereich, wäre aber ohne den finalen Nordostumfahrungs-Abschnitt unvollständig.


Vier Männer posieren vor einem roten Mercedes-Lkw mit STYLE EDITION vor einem gelben Haus an einer sonnigen Straße.

Mit dem S1-Ausbau kann man den innerstädtischen Transitverkehr massiv verlagern, außerdem wird eine leistungsstarke Anbindung für expandierende Wirtschaftsräume wie die Seestadt Aspern geschaffen. Schließlich erwähnte er noch die technischen Meilensteine des Großprojekts, das die logistische Resilienz im Großraum Wien langfristig sichern soll. Wenn man die Effekte für das untergeordnete Wiener Straßennetz umfassend berechnet, ist der S1-Ausbau für einige Strecken ein Segen, er bringt aber für einige wenige andere auch eine spürbare Mehrbelastung. Dieses Problem soll später in Angriff genommen werden.

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