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Branche unter Druck

  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Fachverbandsobmann Fischer fordert Gewerbediesel und Aussetzung des CO2-Preises


Die Gemütslage der Branche ist angespannt: Bundesregierung und EU-Kommission haben den Transporteuren in den vergangenen Jahren immer neue Gewichte um den Hals gehängt, von der Besteuerung von Abgasen über die immer weiter steigende Maut und exquisiten bürokratischen Wünschen bis hin zu einer gezielt gegen den Straßengüterverkehr gerichteten Imagearbeit, die seit Jahrzehnten von einer Verlagerung auf die Schiene träumt, die es nicht gibt und nicht geben kann. Der Straßenverkehr ist und bleibt flexibler als die Bahn. Sinnvoller als eine immer weiterreichende Reglementierung wäre jedenfalls eine vernünftige Nutzung und Einbindung der Lastkraftfahrzeuge.


Vier Personen in Anzügen stehen lächelnd vor einem gelben Lkw mit „PowerLion“-Schriftzug. Hintergrund dunkel, formeller Anlass.
Von links: Fachverbands- und NÖ Fachgruppenobmann Markus Fischer (Güterbeförderungsgewerbe), Spartenobfrau Beate Färber-Venz (Transport und Verkehr), Keynote-Speaker Sebastian Kummer (Wirtschaftsuniversität Wien, Institutsvorstand für Transportwirtschaft und Logistik) und WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser.

Im Beitragsteil der Transporteure-Tagung in der Arena Nova waren die Maßnahmen gegen steigende Treibstoffpreise, hohe steuerliche Belastungen, Maut und regulative Kosten sowie die Unsicherheiten bezüglich der geopolitischen Lage die bestimmenden Themen. Zwar hat die Bundesregierung eine Mini-Preisbremse auf Treibstoffe beschlossen, diese ist aber ineffizient und nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn die Konzerne – ihre Marge liegt ohnehin nur bei 1–5 % – die Preise nur einmal am Tag erhöhen dürfen, ist es absehbar, dass sie Preissprünge anschreiben, mit denen sie mögliche Anstiege des Ölpreises vorwegnehmen. Abgesehen davon ist die beabsichtigte Preisverminderung von lediglich zehn Cent je Liter geradezu ein Witz, wenn man sich vor Augen hält, wieviel der Staat am Treibstoff mitverdient: Pro Liter Diesel, gerechnet mit 2,10 Euro, entfallen 39,7 Cent auf die Mineralölsteuer und 15 Cent auf die CO2-Bepreisung; unter Umständen schlägt auch noch die Mehrwertsteuer mit 35 Cent zu Buche. Da gönnt der Staat der Transportbranche einen Abschlag von 10 Cent, von denen er nur 5 Cent selbst beisteuert und den Rest anderen Wirtschaftsunternehmen abzwingt, die ja ihrerseits auch kalkulieren müssen.


Diese „Erleichterung“ greift also viel zu kurz. „Die Transportwirtschaft steht unter enormem Druck. Treibstoff ist unser zentraler Kostenfaktor, und genau hier wirken die staatlichen Maßnahmen derzeit nicht ausreichend“, betonte Markus Fischer, Fachverbands- und NÖ Fachgruppenobmann des Güterbeförderungsgewerbes, in seiner Rede. „Die bisher gesetzten Schritte reichen nicht aus, um Unternehmen nachhaltig zu entlasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“


Laut Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus ist der Dieselpreis seit Ende Dezember von 1,492 Euro auf über 2 Euro gestiegen. Das sind rund 40 % innerhalb weniger Monate. Ein durchschnittliches Fahrzeug der Klasse Euro VI mit einer Jahresfahrleistung von 100.000 km und einem Verbrauch von 30 l auf 100 km verbucht allein durch den gestiegenen Dieselpreis Mehrkosten von rund 18.510 Euro pro Fahrzeug und Jahr. Zusätzlich betragen durch die gestiegenen Mauttarife die Mehrkosten seit 1. Jänner 2026 rund 4.092 Euro pro Lastwagen und Jahr. Unternehmen, die das nicht in ihren Kalkulationen abgebildet haben, erleiden Gewinneinbußen in dieser Höhe – oder rote Verluste. Wie vor diesem Hintergrund die finanzielle Flexibilität gewonnen werden soll, die für eine Umstellung auf elektrische Fahrzeuge unverzichtbar ist, steht in den Sternen. Eine Branche, der man in dieser Weise die Gewinne abdreht, wird sich diesen kostenintensiven Weg schlichtweg nicht leisten können. Und doch stellt sich die Elektromobilität gerade vor dem Hintergrund der sich jetzt abzeichnenden schweren Ölkrise (Stichwort Straße von Hormus) als tragfähige Lösung dar. Das bringt aber nur denen etwas, die sich die Mobilitätswende bereits leisten konnten.

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