Stillstand – Feind der Innovation


Fachgruppentagung der Niederösterreichischen Transporteure

Unter das Motto „Nur wer sich bewegt, kommt voran“, hatte die NÖ-Fachgruppe ihre heurige Jahrestagung gestellt. Nachdem Bernd Brantner Ende 2016 seine Funktion als Obmann zurückgelegt hatte, leitete erstmals sein Nachfolger KR Karl Gruber die Fachgruppentagung, der zusammen mit seinen Stellvertretern Mag. Markus Fischer und Ing. Christoph Mitterbauer die Interessen der Transporteure bestens vertreten will. Als Veranstaltungsort hatte die Fachgruppe wieder die Räumlichkeiten der Reitschule von Schloss Grafenegg gewählt.

WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl wies in ihrer Eröffnungsrede auf die Bedeutung der Branche im Wirtschaftskreislauf hin. „Die Transporteure und Güterbeförderer sind die Lebensader der Wirtschaft und Garanten für die Nahversorgung und für Lebensqualität – die Leistungen, die sie erbringen, stehen aber meist im Hintergrund. Durch das Engagement der Branchenvertreter, die mit gezielten Aktionen die Leistungen des Güterbeförderungsgewerbes einer breiten Öffentlichkeit vermitteln, ist es gelungen, dass hier zunehmend ein Sinneswandel zu verzeichnen ist und die Branche das Image bekommt, das ihr eigentlich zusteht. Auch was die Arbeitsbedingungen anbetrifft, konnte einiges erreicht werden, wie etwa der Bürokratieabbau und die Senkung der Lohnnebenkosten“, so Zwazl. In ihren weiteren Ausführungen ging die WKNÖ-Präsidentin auf die Themenbereiche Investitionszuwachsprämie und Polizeikontrollen ein. „Dass die Transporteure bei den Förderungen nicht zum Zug kommen, stellt für mich eine Ungeheuerlichkeit dar. Was die Polizeikontrollen anbetrifft, fordern wir nach dem Motto ,Beraten statt Strafe‘ mehr Toleranzmöglichkeiten bei geringen Vergehen und eine Abstrafung mit Hausverstand und Augenmaß. Ich bin überzeugt, dass die Abstrafung nach dem Kumulationsprinzip bis Mitte des Jahres abgeschafft wird“, ließ Zwazl wissen.

Der neue Obmann stellt sich vor

„Seit beinahe 45 Jahren bin ich in der Transportwirtschaft tätig und habe den elterlichen Betrieb vor ca. 30 Jahren übernommen. Schon als Kind waren Lkw meine Leidenschaft und diese Faszination hat mich bis heute nicht losgelassen. Über die Jahre ist mir zunehmend bewusst geworden, wie wichtig unsere Aufgaben als Transportunternehmen sind. Ich habe das Geschäft von der Pike auf gelernt und bin bestens vertraut mit den Problemen, mit denen sich unsere Branche auseinandersetzen muss. Mir ist es als Obmann besonders wichtig, nah an den Mitgliedern zu sein. Wir wissen, wie steinig der Weg im Transportgewerbe sein kann. Meine Erfahrung und mein Wissen sollen daher vor allem auch den kleineren Betrieben zugutekommen, die oftmals ohne Möglichkeit sind, sich Gehör zu verschaffen.

Wir Transporteure bewegen die Wirtschaft, wir sichern Arbeitsplätze, sind investitionsfreudig, wenn auch manchmal gezwungen durch politische Maßnahmen. Wir sind täglich mit zig Gesetzen konfrontiert, müssen Tag und Nacht für den Betrieb da sein, brauchen Fingerspitzengefühl, technisches Know-how, EDV-Kenntnisse und sollen darüber hinaus noch Freiraum für Familie, Freunde und Freizeit haben. Dass dies durchaus alles unter einen Hut zu bringen ist, beweist die Tatsache der vielen hier anwesenden Güterbeförderer, die ihren Beruf schon zum Teil über Jahrzehnte ausüben“, so Gruber.

Das Scania-Team v. li. n. re.: Markus Venturin, Ing. Georg Bauer, Michael Rebhandl, Mag. Manfred Streit (Scania Geschäftsführer D/Ö), Gerald Hinterndorfer und Alfred Redl

Individuelle Stärken betonen

„Das Rad der Wirtschaft dreht sich immer schneller und es gilt, sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen. Als besonders wichtig erachte ich, dass jeder Transporteur ein klares Alleinstellungsmerkmal hat. Jeder muss seine Nische finden, in der er nicht so leicht austauschbar ist. Für die Einzigartigkeit eines Betriebes zählt bei weitem nicht nur der Preis, auch wenn der Preiskampf immer härter wird. Nein, es gehört auch der persönliche Kontakt zu den Kunden dazu, die Bereitschaft, nicht nur Service zu bieten, sondern auch maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln und nicht zuletzt die Fähigkeit, sich schon vorher darauf einzustellen, was der Kunde in naher Zukunft braucht. So manche Straßen müssen wir selber erst bauen, um nachher darauf fahren zu können“, veranschaulichte der neue Fachgruppenobmann die Ist-Situation des Gewerbes. Bei einem Rückblick auf das vergangene Jahr erläuterte Gruber erreichte Ziele und gesetzte Aktivitäten der Fachgruppe. „Mit gemeinsamer Kraft der Wirtschaftskammer ist es gelungen, dass die Megamaut abgewendet werden konnte. Damit wurde aufgezeigt, dass nicht alles nach den Wünschen der Politik geht. Durch die Novelle des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes wird hoffentlich erreicht, dass wir gegenüber unseren Mitbewerbern aus dem Ausland jetzt mit gleichen Mitteln agieren und uns somit besser am Markt behaupten können. Endlich hat der Staat auf etwas reagiert, das uns seit der EU-Erweiterung plagt wie sonst kaum etwas anderes“, fand Gruber klare Worte. Auch die Thematik rund um das Verbot des Abstellens der Anhänger ohne Zugmaschine auf öffentlichen Plätzen griff Gruber in seinen Ausführungen auf. Hier gelte es, sich gegenseitig zu unterstützen. Kontakt habe man in diesem Zusammenhang auch mit den Bauhöfen des Landes NÖ aufgenommen.

Scania-Regionaldirektor Michael Rebhandl (re.) und Geschäftsführer Mag. Manfred Streit freuten sich, mit der Transportunternehmerfamilie Bleicher (F. Bleicher GesmbH) einen der treuesten Scania-Kunden begrüßen zu können.

Unterstützung gefordert

„Einmal mehr im Stich gelassen von der Politik fühlen wir uns in der Angelegenheit Investitionszuwachsprämie. Wo ist denn bitte der Unterschied zwischen der Investition eines Tischlers in eine Hobelmaschine und der Investition eines Transporteurs in einen Lkw, der sein Arbeitsgerät ist. Bei uns Transporteuren geht es sogar noch so weit, dass wir vor der Wahl stehen, entweder in neue Lkw zu investieren, welche die geforderten strengen Umweltauflagen erfüllen, oder ein Fahrverbot hinnehmen zu müssen. Unsere Fahrzeuge sind unsere Zukunftsinvestition. Diese nicht zu fördern, heißt der Branche Unterstützung im immer härteren Wettbewerb zu verwehren. Darüber hinaus bedeutet jeder Investitionszuwachs im Transportgewerbe Arbeitsplätze, denn jeder Lkw bringt zwei Jobs und 50.000 Euro Steuereinnahmen für den Staat“, verdeutlichte Gruber. „Das Ziel muss sein, Verkehr made in Austria zu stärken und wieder mehr österreichische Kennzeichen auf die Straße zu bekommen. Auch 2017 wird wieder ein herausforderndes Jahr für die Branche. So sind neue gesetzliche Bestimmungen zu erwarten, die KV-Verhandlungen werden geführt und auch mit einer möglichen Erhöhung der Mineralölsteuer ist zu rechnen. Um all diesen Herausforderungen erfolgreich entgegentreten zu können, ist eine konstruktive Teamarbeit unerlässlich. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang neben dem enormen Engagement meiner beiden kompetenten Stellvertreter Mag. Markus Fischer und Ing. Christoph Mitterbauer an dieser Stelle insbesondere auch bei FG-Geschäftsführerin Mag. Patricia Luger, Spartenobmann Franz Penner, Rechtsexperte Mag. Rudolf Keindl sowie beim gesamten Fachausschuss für die Unterstützung bedanken“, hob der neue Fachgruppenobmann abschließend hervor.


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