Sebastian Kurz: Der Verbrenner bleibt

Nach einem Treffen des Automobilclubs ÖAMTC mit Bundeskanzler Sebastian Kurz lässt das Kanzleramt verlauten, das Ziel sei „Elektromobilität ohne Atomstrom und Motoren mit synthetischen CO2-neutralen Treibstoffen“. Und ergänzt: „Am Weg zur Klimaneutralität ist nicht der Motor entscheidend, sondern der Treibstoff.“




Das bedeutet: Die E-Mobilität ist nicht alternativlos und der Verbrennungsmotor hat noch eine lange Zukunft vor sich. Denn an CO2-neutralen Kraftstoffen wird so intensiv geforscht wie nie. Mit ihnen lassen sich nicht nur neue Autos, sondern auch Fahrzeuge aus der Bestandsflotte CO2-neutral betreiben. Der Vorteil: Die Bürger dürfen ihre bewährten Autos behalten. Zudem können auch neue Autos weiter auf den klassischen Antrieb setzen – mit all seinen weiterhin unerreichten Vorteilen: Niedriges Gewicht, große Reichweite, geringe Kosten. Dass es zu dem Treffen kam, ist ausgerechnet einer Initiative von Klimaministerin Leonore Gewessler von den Grünen zu verdanken. Die grüne Politikerin im Kabinett Kurz hatte die Zusammenkunft der EU-Verkehrsminister angeregt. Dabei sollte, so ihre Hoffnung, das Ende des Verbrennungsmotors terminlich fixiert werden. Die grünen Pläne hatten im März eine Reihe von Automobilzulieferern, Forschern und gesellschaftlichen Akteuren auf den Plan gerufen: Sie wandten sich in einem offenen Brief an den Kanzler, um für eine Politik der Technologieoffenheit zu werben. Darin plädierten sie dafür, eine ehrliche Lebenszyklus-Analyse durchzuführen, um die Erzählung vom klimafreundlichen Elektroauto zu überprüfen. Gleichzeitig wurde auf die sozialen Verwerfungen hingewiesen, die im Fall eines Verbots klassisch angetriebener Automobile drohen. Dieser Bewertung hat sich der Kanzler nach dem Treffen mit den Experten nun offenbar angeschlossen: Laut ÖAMTC-Chef Oliver Schmerold unterstrich Kurz, für Technologieoffenheit einzutreten. Ein Verbot des Verbrenners stehe „weder im Regierungsprogramm noch auf europäischer Ebene“ zur Diskussion. Bei der Öko-Lobby schrillen die Alarmglocken: „Der Verbrennungsmotor ist ein Fall für die Geschichtsbücher“, beschwören der WWF und der Umweltverein Global 2000 in einem hastig verfertigten Statement. Und führen aus: „Mit irreführenden Begriffen wie ,Technologieoffenheit‘ versuchen die Lobbyisten, den Menschen Sand in die Augen zu streuen." Jetzt fordern sie einen Termin beim Bundeskanzler. Der hat sich dazu noch nicht geäußert. (ampnet/jm)


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