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Platzproblem

Den Mangel an Betriebsflächen in der Wiener City und die Verkehrsplanung diskutierten die Transporteure bei ihrer Jahrestagung am Kahlenberg.


MAN Friends on the road

„Wo Straßen und Brücken gebaut werden, kommen Leben und Wirtschaft. Bauen wir das nicht, wird man sich zurückentwickeln. Wir brauchen für Wien mehr Räume, um unser Gewerbe ausüben zu können. Wir brauchen Parkgaragen und müssen viel mehr in die Tiefe gehen. Alte Parkplatzanlagen sollten untergraben und die Flächen darüber begrünt werden. Wir sehen uns ständig mit Anfeindungen konfrontiert, dabei ist es gerade die Transportwirtschaft, die mit der Anschaffung modernster Fahrzeuge vorbildlich ihren Beitrag zur Eindämmung der Umweltbelastung geleistet hat“, hob Fachgruppenobmann Wolfgang Böhm hervor.



Eine Stadt im Wandel


„Der Fall des Eisernen Vorhangs war nicht nur für Europa und das geopolitische System von grundlegender Bedeutung, sondern markierte auch den Beginn einer starken Bevölkerungszunahme für Österreich. So ist die Zahl der Einwohner in Wien inzwischen von einst 1,5 Mio. Einwohnern auf mittlerweile 2 Mio. Einwohner angewachsen.


Seit 2005 hat Wien 40 % des gesamten österreichischen Bevölkerungswachstums aufgenommen. Allein im letzten Jahr ist Wien um 50.000 Einwohner gewachsen. Wien ist inzwischen die fünftgrößte Stadt im europäischen Raum. Die Kernfrage ist: Wie gehen wir damit um? Im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung im Osten der Stadt, aber auch im neuen Stadtteil Donaufeld wird uns vorgeworfen, die Handlanger der Betonlobby zu sein. Wenn wir den Zuwachs von 500.000 Einwohnern seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht nach dem typischen Wiener Städtebau bewältigt, sondern den Zuwachs an Bewohnern im flachen Land angesiedelt hätten, wäre das einem zehnfachen Bodenverbrauch gleichgekommen“, veranschaulichte DI Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt Wien.


„Die Klimakrise ist kein Phänomen der Zukunft, sondern der Gegenwart, und wir sind gut beraten, uns darauf bestmöglich und vor allem mit realistischem Blick vorzubereiten. Es kann nicht das Ziel sein, eine Lösung wegzuschieben, die uns dann nicht mehr oder nur mit einem erheblichen Mehraufwand gelingen kann. 90 % der WienerInnen sagen uns repräsentativ, dass sie eigentlich für ihre private Mobilität in Wien kein Auto mehr benötigen. Unser Ziel ist es daher, dass von den Bürgerinnen und Bürgern in Wien nur mehr ein geringer Anteil die Notwendigkeit hat, einen Pkw zu besitzen, denn wir müssen auf den Straßen Kapazitäten freischaufeln, um einerseits für den Wirtschaftsverkehr Platz zu haben, aber auch Straßen wieder begrünen zu können. Uns ist wichtig, dass Unternehmen, die tatsächlich intensive Erfüllungskontakte zu den städtischen Kunden haben, auch entsprechende Nutzräume zur Verfügung stehen. Der öffentliche Raum muss mit Maß und Ziel umgebaut werden, um die Stadt auch lebbar zu halten. Forderungen wie etwa den Güterverkehr in die Donaustadt mit der U-Bahn abzuwickeln, kann ich schlichtweg nur als absurd bezeichnen.


Wir haben nördlich der Donau mehr Wohnungen als Arbeitsplätze, dies führt zwangsläufig zu einem Mehrverkehr über die Donau. Wenn wir nördlich der Donau in Donaustadt und Floridsdorf denselben Einwohner-Arbeitsplätze-Mix haben wollten wie vielerorts in der gesamten Stadt, fehlen uns rund 60.000 Arbeitsplätze. Wir haben eine klare Position zu einem vernünftigen, faktenbasierten Ausbau der Infrastruktur und verfolgen mit unseren Klimapartnern sehr klare Ziele, wie etwa die Smart City Strategie auch in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer. Wir müssen versuchen, die sich stellenden Probleme über Kooperationsstrukturen im gut geführten Dialog Stück für Stück abzuarbeiten“, so der Planungsdirektor der Stadt Wien.


"Der Wunsch, die Wirtschaft wieder nach Wien zurückzuholen, ist da, die Möglichkeiten jedoch sehr überschaubar. Wir haben rund 140 ha Betriebsgebiet und brauchen ca. 10 ha pro Jahr."

„Viele Speditionen und große Wirtschaftseinheiten des Versorgungsmarktes haben sich vor Jahren vor den Toren Wiens wie etwa in Leopoldsdorf oder Wiener Neudorf angesiedelt, weil keine Flächen in der Stadt zur Verfügung gestellt wurden. Dies hat dazu geführt, dass der ohnehin schon starke Personenverkehr in Richtung Wien noch zusätzlich durch den Transportverkehr belastet wird. Der Wunsch, die Wirtschaft wieder nach Wien zurückzuholen, ist da, die Möglichkeiten jedoch sehr überschaubar. Wir haben rund 140 ha Betriebsgebiet und brauchen ca. 10 ha pro Jahr. Man kann sich also ausrechnen, wie lange das noch geht. Zu berücksichtigen ist zudem, dass 80 % der Flächen in privater Hand und schwer zu mobilisieren sind. Das heißt, wenn wir Wirtschaft in der Stadt haben wollen mit produzierendem Gewerbe und der Versorgung mit der Transportlogistik, dann brauchen wir in Zukunft Flächen. Wenn wir heute beim Förder- oder Standortservice der Wirtschaftskammer Nachfragen nach Flächen bekommen, können wir sie bestenfalls nach Niederösterreich weiterleiten, da wir einfach kein Angebot haben. Insbesondere mit dem starken Zuwachs an Einwohnern im Norden und dem einhergehenden Arbeitsplätzemangel entwickeln sich da Szenarien, die eine große Herausforderung für die Zukunft darstellen und auch die Lebensqualität unserer Stadt maßgeblich beeinflussen“, so Dr. Andreas Dillinger (Leiter Verkehrspolitik WKW).

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