Ansprechender Allrounder


Ausfahrt mit dem neuen Scania Interlink HD. Entdeckung löblicher Harmonie im Fahrgastraum.

Der 2016 als Nachfolger des OmniExpress vorgestellte Scania Interlink ist ein Tausendsassa und kann im Regional- und Linienverkehr bzw. im Ausflugs- und Reiseverkehr eingesetzt werden. Dank des flexiblen Baukastens hat der Interlink die allerbesten Voraussetzungen, um in neue Märkte vorzudringen. Das Angebot umfasst Low Decker (LD), Medium Decker (MD) und High Decker (HD). Die Gesamtlänge des Fahrzeugs ist in kurzen Abstufungen mit zwei oder drei Achsen von 11 bis 15 m frei wählbar und kann somit an die vom Betreiber gewünschte Anzahl an Sitzplätzen angepasst werden. Dabei bleiben die Front und der hintere Überstand immer gleich, variiert wird die Länge nur in der Mitte zwischen den Achsen. Ebenso beeindruckend ist das breite Motorenprogramm. Der LD lässt sich sogar mit Gas- und Ethanolantrieb bestellen. Neben dem kompakten 9 l-Diesel kommt im Reisebus vorzugsweise der 13 l-Sechszylinder DC 13 mit Leistungen von 410 bis 490 PS zum Einsatz.

Ausstattung des Testwagens

Bei unserem Testfahrzeug handelt es sich um einen zweiachsigen 12,4 m langen Scania Interlink HD, der in Finnland gefertigt wird. Das Design des in Weiß (RAL 9010 mit Klarlack) lackierten Omnibusses wirkt zeitlos frisch. Die dynamisch gestaltete, schräge Frontpartie geht harmonisch in die grau getönten Seitenscheiben über und wirkt sportlich elegant. Sie hat außerdem noch den Vorteil einer besonders guten Aerodynamik und trägt zusätzlich zu einer besseren Rundumsicht für den Fahrer bei. Apropos Sicht: Durch ein Dreiecksfenster hinter der B-Säule wird ein echter Schulterblick nach links möglich. Die Seitenlinie des Fahrzeugs ist klar gezeichnet und wurde durch Scania Österreich mit Streifen in Längsrichtung beklebt, die bis in die Seitenfensterlinie reichen und das Fahrzeug unserer Meinung nach noch attraktiver machen. Ein besonders dynamisches Designmerkmal sind die nach vorne abfallenden Radläufe. Schmale Scheinwerferbänder enthalten Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, LED-Blinker und Halogen-Nebelscheinwerfer. Große LED-Rückleuchten am Heck sorgen ebenfalls für hohe Sicherheit. Als Einstieg/Ausstieg stehen zwei Außenschwingtüren mit der Öffnungsrichtung nach hinten zur Verfügung. Die Vordertür hat eine Breite von 840 mm, die Hintertür eine von 800 mm. Über drei bequeme Stufen gelangt man in den freundlich gestalteten Fahrgastraum. Der hohe, mit anthrazitfarbigem Teppich ausgelegte Mittelgang ermöglicht ein großes Kofferraumvolumen und niedrigere Podeste (blau beleuchtet), die das Platznehmen auf den Fahrgastsitzen erleichtern. Tief liegende Fenster bieten den Fahrgästen einen ungehinderten Blick auf die umliegende Landschaft. Die 49 bequemen Sitzplätze (Lahden 45) sind im Dekor „Schöpf Charisma Design“ bezogen und wirken bei aller Robustheit äußerst hochwertig und elegant. Die Fahrgäste haben die Möglichkeit, die Neigung der Rückenlehne zu verstellen und die Gangsitze zusätzlich etwas in die Mitte des Fahrzeugs zu verrücken, wodurch das Platzangebot der nebeneinander sitzenden Passagiere erweitert wird. Die Bestuhlung ist mit integrierten 2- oder 3-Punkt-Gurten sowie Isofix-Befestigungen für Kinderrückhaltesysteme ausgestattet. Klapptische und Netztaschen am Sitzrücken sowie Fußrasten dienen der Bequemlichkeit der Passagiere. Der Farbwechsel der Kopfteile und Sitzkanten lockert das Bild des Innenraumes zusätzlich auf. Die Service-Sets über den Sitzen sind mit LED-Leuchten und zusätzlichen Lüftungsöffnungen ausgestattet. Der gesamte Fahrgastraum wird von einer leistungsfähigen REVO 32 kW-Klimaanlage gekühlt.

Über den Fahrgastsitzen liegen offene Handgepäckablagen, die es den Fahrgästen erlauben, ihr Handgepäck griffbereit zu verstauen. Im vordersten Bereich sind zwei verschließbare Fächer für den Fahrer integriert. Vor dem hinteren Ausstieg befindet sich eine Wassertoilette mit Handwaschbecken.

Wir nehmen auf dem beheizbaren, belüfteten und vielfach verstellbaren Fahrersitz Platz und finden dank des verstellbaren Multifunktionslederlenkrades schnell eine bequeme Sitzposition. Unsere Blicke richten sich auf ein modernes, sehr gut überschaubares, fahrerorientiertes Cockpit. Die einzelnen Instrumente des Scania Interlink sind klar abzulesen und ein mittig angeordnetes Farbdisplay gibt übersichtlich Auskunft über alle wichtigen technischen Parameter des Fahrzeugs. Mit den Multifunktionstasten des Lenkrades lassen sich die Sicherheitssysteme und das Benutzermenü steuern. Ein rechts oben im Armaturenbrett vorhandenes Display stellt mithilfe einer an der hinteren Dachkante montierten Rückfahr- und einer Einstiegskamera an Tür 2 die relevanten Bereiche dar und sorgt dadurch für zusätzliche Sicherheit. Alle Bedienelemente sind ergonomisch angeordnet und dadurch leicht zu erreichen. Beste Sitzposition ermöglicht gute Übersicht nach vorne und zu den Seiten. Links vom Fahrer befindet sich das manuelle Schiebefenster, das doppelt verglast ist und sich weit genug öffnen lässt. Eine elektrisch betätigte Sonnenblende an der Frontscheibe verhindert, dass die Sicht des Fahrers von der Sonne zu sehr beeinträchtigt wird. Die elektrisch einstellbaren Rückspiegel erlauben auch gute Sicht nach hinten im Nah- und Fernbereich. Rechts im Armaturenbrett ist ein 35 l großer Kühlschrank untergebracht, der für temperierte Getränke sorgt.

Laufruhiger Motor

Motorisiert ist unser Scania Interlink mit dem stehend längs der Fahrtrichtung eingebauten DC13 6-Zylinder-Dieselmotor mit 12,7 l Hubraum. Er leistet 410 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 2.150 Nm bei bereits sehr niedrigen Drehzahlen von 1.000–1.300 U/min. Dieser Scania Motor überzeugt uns auf der herausfordernden Testrunde mit seinem spontanen Antritt, der hohen Durchzugskraft und seiner hervorragenden Laufruhe.

Bewährtes Getriebe

Übertragen wird die Leistung des Motors über das bewährte automatisierte 12-Gang-Opticruise-Getriebe mit Retarder und Overdrive. Es wechselt schnell und zuverlässig die Gänge, wie wir es von den Opticruise-Getrieben bei Scania gewohnt sind. Dieses Getriebe sorgt bei uns für ein sicheres, komfortables und entspanntes Fahrerlebnis.

Hohe Sicherheit

Für das sichere Verzögern des Fahrzeugs sorgen Scheibenbremsen an Vorderachse und Hinterachse, eine automatische Abgasbremse und der bereits erwähnte Scania Retarder, der manuell über den mehrstufigen Lenksäulenhebel (abschaltbar) und automatisch über das Bremspedal gesteuert werden kann. Standardmäßig ist unser Testfahrzeug mit verschiedenen Sicherheitssystemen ausgestattet. Das Scania Active Prediction System ist eine GPS-basierte Geschwindigkeitsregelung, die unsere Reisegeschwindigkeit automatisch an die Topografie der Stecke anpasst, um den Kraftstoffverbrauch zu senken und den Reisekomfort der Fahrgäste zu maximieren. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung sorgt dafür, dass ein sicherer Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten wird. Selbstverständlich sind auch das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) und der Notbremsassistent (AEB) mit an Bord. Durch den Notbremsassistenten sollen Auffahrunfälle bei einem plötzlich auftauchenden Stauende verhindert oder zumindest die Unfallfolgen verringert werden. Der Spurhalteassistent (LDW) warnt den Fahrer durch Vibration im Fahrersitz, wenn Fahrbahnmarkierungen versehentlich überfahren werden. Unsere anspruchsvolle Testfahrt startet in Brunn am Gebirge und führt uns über die A21 und über die A2 nach St. Pölten, wo wir die Autobahn verlassen. Über Bundesstraßen passieren wir den Annaberg und Josefsberg und fahren weiter in Richtung Mariazell. Nach einer kurzen Pause geht die Fahrt über das anspruchsvolle Niederalpl nach Mürzzuschlag und danach auf der A2 wieder zurück zum Startpunkt. Auf dieser 282 km langen Teststrecke mit ihren drei doch beträchtlichen Anstiegen kann sich ein Durchschnittsverbrauch von 22 l/100 km durchaus sehen lassen. Das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorne und geräuscharmer Hypoidachse hinten zeigt sich von seiner besten Seite. Es überzeugt uns durch seine hohe Stabilität und Wendigkeit. Das Fahrwerk des Interlink erscheint straff, ohne jedoch unkomfortabel zu wirken. Zusätzlich bietet das Fahrzeug auf der gesamten rechten Seite eine manuelle/automatische Kneelingfunktion, die den Passagieren das Ein- und Aussteigen erleichtert.

Der angehobene Mittelgang und die deutlich vergrößerten Scheiben geben dem Fahrgastraum eine freundliche Note.

Der 10,67 m³ große Gepäckraum ist mit einem anthraziten Antirutschteppich ausgelegt und über nach oben zu öffnende Aluminiumschwenkklappen zugänglich. Da die Griffe zum Öffnen der Klappen eher unergonomisch ausgeführt sind, würden wir gleich die optionalen pneumatisch angetrieben, parallel nach oben schwingenden Klappen ordern.

Über der Hinterachse hat Scania zusätzlich flache, aber praktische Staufächer eingebaut. Insgesamt ist das Fahrzeug sehr gut verarbeitet und wird aus hochwertigen Werkstoffen gefertigt. Der leichte und zugleich robuste Aufbau erfüllt die Norm ECE R66.02 für den Überrollschutz, die im September 2017 in Kraft treten wird. Das Gerippe des Aufbaus wird bis zur Fensterlinie aus rostfreiem Stahl, die Seitenbeplankung aus Aluminium gefertigt und die Front- und Heckpartie besteht aus GFK. Das bietet den Bushaltern eine hohe Langlebigkeit mit voraussichtlich wenig Korrosion. So lautet unser Fazit aus diesem Test: Die Stärken des neuen Scania Interlink lassen das Ziel von Scania Österreich, heuer hierzulande 25 Busse abzusetzen, durchaus realistisch erscheinen.


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